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Geschichte und Gegenwart des Germanistenverbandes

Eine Replik

Dr. Beate Kennedy und Prof. Dr. Martin Huber nehmen Stellung zum Artikel: „Merkwürdiger Verein” von Myriam Richter und Hans-Harald Müller in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Nr. 233, S. N4 vom 08.10.2014 (Kurzfassung eines Vortrags auf dem 50. Deutschen Historikertag).

 


Der Artikel, angelegt als historischer Überblick, endet mit den 1980er Jahren und der Diagnose einer „Problemsituation, die bis heute fortwirkt”. Es fehlt eine Betrachtung der letzten dreißig Jahre. Durch diese Verkürzung, im Verbund mit der detaillierten Darstellung der unbestritten problematischen Geschichte des Deutschen Germanistenverbandes (DGV) in den Jahren von 1912 bis in die Nachkriegszeit und dem flotten Titel wird der Eindruck erweckt, es handle sich bei dem heutigen DGV um einen rückwärtsgewandten Berufsverband von fachlich heillos auseinanderdriftenden Germanistinnen und Germanisten in Hochschule und Schule.

Das Gegenteil ist der Fall. Die unter dem Dach des DGV vereinten Sektionen der Gesellschaft für Hochschulgermanistik und des Fachverbands Deutsch arbeiten in vielfältiger Weise eng und fruchtbar zusammen: Beispielhaft stehen das programmatische „Positionspapier” u.a. zu den Folgen des Bolognaprozesses in Heft 3, 2012 der Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes sowie die gemeinsame Ausrichtung der Germanistentage (2016 in Bayreuth). Der DGV und das Symposion Deutschdidaktik nehmen gegenüber der Kultusministerkonferenz (KMK) im gemeinsamen bildungspolitischen Arbeitskreis Stellung zu fachpolitischen Themen wie den schul- und hochschulpolitischen Folgerungen aus aktuellen empirischen Studien oder auch zu Entwürfen für Rahmenlehrpläne für das Fach Deutsch in der Sekundarstufe, wie jüngst in Berlin-Brandenburg für die Sekundarstufe II.

Die im Artikel beklagten „zentrifugalen Kräfte” mögen an dem Fach Germanistik zerren, für den Germanistenverband der letzten Dekade waren sie Anlass für eine effektive und produktive, am Kern des Faches orientierte Zusammenarbeit. Gerade angesichts der unumkehrbaren Ausdifferenzierungen des Faches „Germanistik” in einem kulturwissenschaftlichen universitären Umfeld und des explosionsartigen Wandels der Bildungslandschaft durch die Vervielfachung der Abiturientenquote sieht der DGV die Stärke seiner fach- wie bildungspolitischen Arbeit in gemeinsamen Positionen der beiden Teilverbände. Historiker und Geschichtslehrer arbeiten seit langem in getrennten Verbänden. Der Deutsche Germanistenverband hat sich in der Vergangenheit aus guten Gründen immer wieder gegen die Trennung und für die gemeinsame Arbeit entschieden.


Dr. Beate Kennedy (Erste Vorsitzende des Fachverbands Deutsch im Deutschen Germanistenverband)

Prof. Dr. Martin Huber (Erster Vorsitzender der Gesellschaft für Hochschulgermanistik im Deutschen Germanistenverband)









06.01.2015CBK Online-Redaktion
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