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Deutschlehrer fordern differenzierte Lehrerausbildung

Germanistenverband wendet sich gegen das Einheitslehrer-Konzept der schleswig-holsteinischen Landesregierung

Kiel – Die Deutschlehrer lehnen die Gesetzesvorlage der Landesregierung entschieden ab, nach der mit dem Se­kun­dar­schullehrer Einheitslehrer ausgebildet werden sollen. „Es ist vielmehr so, dass unterschiedlich spezialisierte Lehrkräfte geeigneter sind, den so ganz unterschiedlichen Begabungsprofilen von Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren gerecht zu werden“, sagte Dr. Eckhard Formella, der Vor­sitzende des schleswig-holsteinischen Fachverbandes Deutsch im Deutschen Germanistenverband.


In diesem Zusammenhang bedürfe es neben einer im Studium zu erwerbenden sozialpädagogischen Handlungskompetenz gerade auch der vertieften fachlichen Kompetenz bei Lehrkräften, die in die Lage versetzt werden müssten, Oberstufenschüler optimal auf ein äußerst komplexes Studium oder ein fachlich höchst anspruchsvolles Berufsumfeld vorzubereiten. Das Regierungskonzept sehe derzeit aber nur eine verstärkte pädagogische Ausrichtung vor, kritisierte Formella. Würde dieses umgesetzt, müsste der fachliche Anteil bei einer notwendigerweise begrenzten Studienzeit sinken.

Hiervor sei nachdrücklich zu warnen, nicht zuletzt auch, weil neueste Studien zeigten (z.B. die Coaktiv-Studie von Jürgen Baumert), dass gerade die fachliche Sicher­heit der Lehrkraft entscheidend für den Erfolg des Unterrichts sei.

Der Fachverband kritisiert überdies, dass bei einer Umsetzung des Einheitslehrer-Konzepts die ausbildenden Studienleiter für die ehemalige Haupt- und Realschule in die Ausbildung von Lehrkräften in der Oberstufe von Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe eingebunden wären. Es sollte aber nur für die Sekundarstufe II ausbilden bzw. auf diese vorbereiten, wer hierfür deutlich Fachkompetenz und entsprechende Erfahrung mitbringt.

Welcher Weg sich abzeichnet, wird für den Fachverband auch deutlich an der augenblicklichen Praxis an Gemeinschaftsschulen, die im Sommer 2014 mit dem Aufbau einer Oberstufe beginnen. Hierfür werden u.a. Realschullehrkräfte gewonnen, die, ihrem Schicksal überlassen, nicht wissen, was sie fachlich unterrichten sollen. Diese hätten ihre mangelnde Erfahrung und deutliche Überforderung eingestanden, sagte Formella, der als Stu­dienleiter selbst Deutsch­lehrer an Gymnasien ausbildet.

Der Verband fordert ein diskussionsfähiges Modell, wie die Sekundarschullehrerbildung kon­kret aus­sehen soll. Zu diskutieren sei in diesem Zusammenhang, ob es nicht einen stärker pädagogisch ausgerichteten Lehrer für die Sekundarstufe I und einen vertieft fachlich orientierten Lehrer für das Lehramt an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen geben solle. 

Es sei derzeit nicht erkennbar, aber auch nicht vorstellbar, wie im geplanten Studien­gang die „länderspezifischen inhaltlichen Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerbildung” erfüllt werden können, auf die sich die Kultusministerien aller Bundesländer geeinigt hätten. Der Verband gibt überdies zu bedenken, dass es bundesweit derzeit nir­gendwo „Sekun­dar­schullehrkräfte” gebe. Somit würden solche in Schleswig-Holstein ausge­bildeten Lehrkräfte in keinem anderen Bundesland angestellt und es würde die Mobilität eines ganzen Berufsstandes verhindert. Letzteres würde die Bereitschaft zum Lehrerstudium bei den zukünftigen Studenten vermindern, obgleich Schleswig-Holstein auf sie angewiesen ist.

Im schleswig-holsteinischen Fachverband Deutsch im Deutschen Germanistenverband sind rund 300 der 1400 gymnasialen Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer des Landes organisiert. Er ist der größ­te Landesverband im Deutschen Germanistenverband, der neben den Deutschlehrern auch die Hoch­schullehrkräfte vertritt.

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Die Pressemitteilung steht als pdf-Datei zur Verfügung.





Gegen das Einheitslehrers-Konzept der Landesregierung SH

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29.04.2014CBK Online-Redaktion
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