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Illiteralität als Kulturbruch – Deutschunterricht im gesellschaftspolitischen Kontext

Ein Essay von Dr. Wolfgang Rzehak

Kann man Jugendliche und Literatur heute überhaupt noch zusammenführen? Oder sind das zwei Bereiche, die sich einander inkommensurabel gegenüberstehen? Natürlich gibt es immer noch eine mehr oder weniger große Schnittmenge. Diejenigen, die sich tagaus, tagein darum bemühen, Jugendlichen Literatur näherzubringen, müssen konstatieren, dass für Jugendliche in Anbetracht ihrer Lebensumstände die Beschäftigung mit Literatur eine immer geringere Rolle spielt. Die Zweifel scheinen zu wachsen, inwieweit man Jugendliche, bis sie den Status der "Reife" erlangen, an den Höhenkamm der Literatur heranführen kann – beziehungsweise soll.


Was früher als Kernbereich literarischen Verstehens und Interpretierens gelten mochte, scheint heute an den Rändern ausgefranst, in sich brüchig, fragmentarisch, mannigfaltig durchbrochen, mit einem Wort lückenhaft und bruchstückhaft zu sein.

Die Lebenswirklichkeit der Schüler hat sich massiv verändert. Sorge bereitet Pädagogen, dass die Handy- und Facebook-Generation ein anderes Perzeptionsverhalten entwickelt hat. Es wird immer weniger und weniger intensiv gelesen. Das Textverständnis nimmt im gleichen Maße ab wie der Wille, sich Unbekanntem gegenüber zu öffnen oder sich auf einen vermeintlich schweren Text einzulassen. Wenn Schüler "interpretieren", das heißt Texte formal-inhaltlich-strukturell erschließen und problematisieren, dem Gehalt des Textes auf den Grund gehen, Aussagen deutend bewerten sollen, stößt man auf Abwehrhaltungen und Vermeidungsstrategien. Ja, manche Texte scheinen geradezu eine Zumutung zu sein. Und es stellt sich die Frage: Darf und soll man Schüler mit Texten von Kafka, dem Satzbau von Kleist, einem episch-breiten Roman von Thomas Mann, mit Goethes "Faust" oder gar mit mittelalterlicher Lyrik  im Unterricht noch konfrontieren?

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 Der vollständige Essay von Wolfgang Rzehak steht als pdf-Datei zur Verfügung.





Illiteralität als Kulturbruch – Deutschunterricht im gesellschaftspolitischen Kontext




22.03.2015CBK Online-Redaktion
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