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Antrittsbesuch bei der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin

Bericht des Landesvorsitzenden Dr. Eckhard Formella über die bildungspolitischen Aktivitäten des schleswig-holsteinischen Fachverbands Deutsch im Schuljahr 2012/13

Am 17. April 2013 führten Beate Kennedy, Dr. Julia Bobsin und ich aus dem Vorstand des FV Deutsch ein knapp einstündiges Gespräch mit der neuen Bildungsministerin Dr. Waltraud Wende. In diesem legten wir Positionen zur Verbesserung des Lehramtsstudiums für das Fach Deutsch, zum Referendariat und zur Lehrerfortbildung dar.


Erleichterung äußernd, dass das Modell des „Stufenlehrers” nicht weiterverfolgt wird, mahnten wir darüber hinaus entschieden die Stärkung fachwissenschaftlicher Kompetenzen in der Ausbildung für Lehrkräfte aller Schularten an, an denen Schüler und Schülerinnen zum Abitur geführt würden. Die Forderung nach fachwissenschaftlichen Kompetenzen sei dabei nicht als elitäres Ziel des FV Deutsch zu verstehen, sondern entstehe aus der Einsicht in die Notwendigkeit, als Gesellschaft in der globalisierten Welt nur über ausgeprägte fachwissenschaftliche Kompetenzen erfolgreich zu bestehen. Vor diesem Hintergrund ließen sich auch fachdidaktische und fachwissenschaftliche Kompetenzen zukünftiger Lehrer und Lehrerinnen nicht gegeneinander ausspielen.

Damit das fachwissenschaftliche Studium aber überhaupt auf einem adäquaten Stand absolviert werden kann, regten wir für das Studienfach Deutsch zusätzliche Maßnahmen zur Feststellung der Studieneignung (z.B. Tests und Aufnahmegespräche) sowie solcher der Förderung (Crashkurse in Grundlagen) an. Aus einem Interesse des Faches Deutsch heraus schlugen wir überdies für alle Schulfächer, in denen mit Texten gearbeitet wird, die Implementierung eines Sprachmoduls vor, das die Verantwortung jeder zukünftigen Lehrkraft für die Förderung von Lese- und Schreibkompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern benennt und Grundwissen nachreicht, wo es nicht vorhanden ist.

Die Absicht der Ministerin, den Praxisanteil bereits in der universitären ersten Ausbildungsphase und damit die Neuverteilung von Theorie und Praxis in der Ausbildung zur Lehrerin oder zum Lehrer auszubauen, kommentierten wir mit der Überlegung, alleine eine Forderung nach „Praxis” sei nicht ausreichend: Die Verzahnung von Theorie und Praxis müsse – anders als in der Vergangenheit – professionell durchgeführt werden. Notwendig sei beispielsweise eine institutionalisierte Zusammenarbeit der drei an der Lehrerausbildung beteiligten Gruppen, also der Fachwissenschaft, der Fachdidaktik und des IQSH. Überdies benötigten die im Laufe des Studiums erforderlichen Schulpraktika eine systematische, abgestimmte und effektive Betreuung, bei welcher Lehrende der Schule, des IQSH und der Universität eng zusammenarbeiten müssten.Wenn dies nicht hinreichend und auch zügig gelinge, so unser Ansatz, sei eine Schwächung der Ausbildung zur Lehrerin und zum Lehrer zu erwarten.

Die Ministerin bezeichnete erste Formen der angesprochenen Zusammenarbeit als bereits eingeleitet bzw. stellte sie für die nahe Zukunft in Aussicht.

Der FV Deutsch forderte erneut mit Nachdruck die Schaffung einer Professur für Fachdidaktik am Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien an der CAU. Die bisherige Praxis, eine Lehrkraft für zwei, höchstens aber vier Jahre abzuordnen, trägt aus der Sicht des Fachverbandes entscheidend zu einer Schwächung der Literaturdidaktik und damit der Lehrerausbildung bei. Innerhalb des genannten zeitlichen Rahmens ergäben sich kaum nachhaltige Gestaltungsmöglichkeiten, nämlich Strukturen und Routinen zu entwickeln, zu evaluieren und zu verbessern, qualifizierte Mitarbeiter zu finden oder gar fachdidaktische Forschung zu betreiben.

Frau Dr.Wende teilte unsere kritische Haltung und unseren Unmut, sah sich aber nicht in der Lage, in die autonomen Strukturen der Hochschule einzugreifen. Der Fachverband wird im Kontext der neuen Entwicklung in der Lehrerausbildung weitere Ansprechpartner suchen.

Ebenfalls mit Nachdruck wiesen Frau Kennedy, Frau Dr. Bobsin und ich auf die erheblichen Nachteile hin, die die Verkürzung des Referendariats auf drei Semester mit sich bringt: Insgesamt erscheine die Ausbildung zu kurz, um Entwicklungsprozesse der Lehrkraft in Ausbildung im Spannungsfeld von Theorie und Praxis, von notwendigerweise gestellten Anforderungen seitens der Ausbilder und Ausbilderinnen und nötiger Selbstfindung in der Lehrer(innen)rolle ausreichend zu ermöglichen.

Lehrkräfte in Ausbildung nähmen die drei Halbjahre angesichts verschiedenster Unterrichtsbesuche nicht nur seitens des IQSH, sondern auch von der Schule als drei ununterbrochene Prüfungssemester wahr, in die in der Regel bereits im zweiten Semester (!) die Examensarbeit und häufig schon nach zweieinhalb Semestern das zweite Staatsexamen integriert werden muss. Aus unserer Sicht müsse bei möglichen Weiterentwicklungen aber auf jeden Fall am Prinzip der festen Ausbildungsgruppe und der vermehrten fachlichen Betreuung festgehalten werden.

Erforderlich ist aus der Sicht des FV Deutsch schließlich das Angebot weiterer qualifizierender Fortbildungen für die Schulen. Gegenüber der Ministerin wurde in diesem Zusammenhang auf die Implementierung der Bildungsstandards Sek. I und Sek. II sowie auf neue Abschlussformen (länderübergreifendes Zentralabitur) hingewiesen.

Dringlich sei nicht zuletzt, dass die Fachanforderungen für die Sek. I endlich auch an den Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe zur Kenntnis gebracht würden, damit hier der Anschluss an fachdidaktische Standards auf diese Weise ermöglicht werde.

Vertretung der Positionen zur Praxisausbildung am 12.6.2013 an der CAU

Vertreterinnen des FV Deutsch setzten sich auf einer von Prof. Dr. Jörg Kilian durchgeführten Veranstaltung zur Neugestaltung des Praxisteils in der ersten Ausbildungsphase des Faches Deutsch im Germanistischen Seminar weiterhin für
eine behutsame und ertragreiche Ausgestaltung dieses Praxisteils (s. oben) ein.

Stellungnahme des FV Deutsch zur Anhörungsfassung des neuen
Legasthenieerlasses für die Oberstufe

Am 31. August 2013 tritt ein neuer Legasthenieerlass in Kraft, der den Notenschutz nunmehr auch für die Sekundarstufe II der allgemeinbildenden Schulen und für alle Schularten der berufsbildenden Schulen vorsieht.

Im Vorwege hat der FV gegenüber der Anhörungsfassung seine abweichende
Position verdeutlicht:

„Ein Nachteilsausgleich gleich welcher Form darf sich nicht auf die fachlichen Anforderungen auswirken. Genau dies ist aber bezogen auf die Sekundarstufe II gegeben: Der Teilleistungsbereich Sprachrichtigkeit ist eine fachliche Anforderung des Deutschunterrichts in der Oberstufe. Insofern wirkt sich der Notenschutz grundsätzlich auf die fachlichen Anforderungen aus. Vor diesem Hintergrund erscheint dem Fachverband Deutsch eine diesen Tatbestand berücksichtigende Bemerkung im Abiturzeugnis unverzichtbar. Auch sollten die Schüler und Schülerinnen sowie die Eltern über die Zusammenhänge zu Beginn der Qualifikationsphase unbedingt informiert bzw. beraten werden.”

Eckhard Formella (Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holstein/Hamburg)





Lehrerausbildung Schleswig-Holstein




06.11.2013CBK Online-Redaktion
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