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Ihr Ansprechpartner im Landesverband Baden-Württemberg

Dr. Wolfgang Rzehak (Vorsitzender des Landesverbands)
07571-2251
rzehak@versanet.de


Zur aktuellen Lage des Faches Deutsch

Wünsche und Anregungen des baden-württembergischen Landesverbandes anlässlich des Besuchs der Bertha-Benz-Schule am 21.09.2016 durch die Ministerin für Kultus und Sport, Dr. Susanne Eisenmann

Ministerin Dr. Susanne Eisenmann mit Dr. Wolfgang Rzehak beim Besuch der Bertha-Benz-Schule im September 2016

 

An den Schulen wird seit jeher jene praktische Integrationsarbeit geleistet, die von Seiten der Politik für die Gesellschaft, insbesondere seit dem Zustrom von Flüchtlingen seit dem vergangenen Jahr, eingefordert wurde. Allerdings werden die gewaltigen Aufgaben der Schulen in Zukunft nur zu bewältigen sein, wenn alle Träger zusammenarbeiten und Bildung, auch in der Öffentlichkeit, als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen wird.


Der baden-württembergische Landesverband des Fachverband Deutsch befürwortet und begrüßt explizit die Unterstützungsmaßnamen der Landesregierung in diesem Bereich:

  • Zwei Stunden D zusätzlich in der GS zur Verbesserung der Kompetenzen im Schreiben und Lesen
  • Stärkung der Mittelstufe ab Klasse 10 – zwei Vertiefungsstunden für die Abiturfächer (Hier müsste, je nach Bedarf, auch Stützunterricht für leistungsschwache Schüler im Fach D angeboten werden.)
  • Ausdrücklich loben möchten wir die Stärkung der VABO-Klassen, in denen die Stundentafel Deutsch (als Fremdsprache) von 10 auf 15 Stunden hochgefahren wird.
  • Zusätzlich können Migranten und Flüchtlinge durch weiterführende flankierende Maßnahmen gefördert werden: Vier Wochenstunden Förderunterricht in D in beruflichen Regelklassen bzw. in der dualen Ausbildung, (sofern Lehrpersonal zur Verfügung steht.)
     

Deutsch darf als Kernkompetenzfach darf nicht substituiert werden

  • Im Beruflichen Gymnasium kann das Fach Deutsch in bestimmten Konstellationen durch eine Fremdsprache ersetzt werden.
  • Problematische Funktionalisierung des Faches als Vermittler von z.B. wirtschaftlich ausgerichteten Kompetenzen, die nicht selten in einer unkritischen Ausrichtung der Fachinhalte auf Präsentationstechniken kulminiert. Dies führt zu einer inhaltlichen Verflachung nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern; Vergleichbares ist bereits bei Studierenden und einzelnen Lehramtsbewerbern zu beobachten.
  • Allgemein ist eine Tendenz zur Entkulturalisierung festzustellen. Kulturverlust (bis in die sozialen Medien hinein) führt zu unkritischem Verhalten und macht anfällig für populistische Strömungen.
  • Deswegen: Stärkung, resp. Beibehaltung des Literaturunterrichts (z.B. in Form von Pflichtlektüren in allen Prüfungsklassen)
  • Beibehaltung des Erlernens einer Handschrift als Kulturtechnik von Anfang an. Sie dient u.a. der Persönlichkeitsbildung... (Die Einrichtung von Tablet-Klassen ist auf diesem Hintergrund kritisch zu sehen.)
     

Medien- und Internetkompetenz

  • Ein sicheres Urteilsvermögen scheint heute allerdings wichtiger denn je. (Vor-)Urteile erreichen die Jugendlichen vorwiegend über die Massenmedien und soziale Medien. Hier ist kritisches Hinterfragen und Einüben von alternativen Denkmodellen angezeigt.
     

Lesekompetenz als basale sinnerfassende Verstehensfähigkeit

  • In Ergänzung zu Lesen und Schreiben von SMS oder E-Mail zur Informationsübermittlung muss der Fokus auf das „literarische Lesen“ gelegt werden. Das braucht Zeit, befähigt zum Perspektivenwechsel, regt u.a. dazu an mitzufühlen, sich in ein Gegenüber und/oder ein „anderes“ Geschehen einzufühlen.
     

Ausdrucks- und Rechtschreibkompetenz lässt vielfach zu wünschen übrig; in allen Klassenstufen muss daran fortlaufend weitergearbeitet werden.

  • Von der GS kommen die Schüler oft mit ungenügenden Kenntnissen. In den unteren Klassen des Gymnasiums steht insgesamt zu wenig Zeit für systematische sprachliche Grundbildung und für Übungen zur Verfügung.
  • In den Eingangsklassen des Beruflichen Gymnasiums sind zum Teil große Defizite in der schriftsprachlichen Ausdrucksfähigkeit festzustellen.
     

Zum Korrekturaufwand

  • Statt technizistisch ausgerichteter Bewertungsrichtlinien ganzheitliche Beurteilungen (Generell können so individuelle Lernleistungen gewürdigt, insbesondere kann auf diese Weise der persönliche Lernstand von Fall zu Fall beurteilt werden.)
  • Der Korrekturaufwand für den Deutsch-Lehrer steigt von Jahr zu Jahr. Oberstufenlehrer schreiben in der Regel ihre Aufsätze vor den Herbst-, Weihnachts-, Oster- und Pfingstferien; die „unterrichtsfreie Zeit“ wird für die entsprechenden Korrekturen benötigt. Entlastungsmöglichkeiten für Deutsch-Lehrer spielen in diesem Zusammenhang keine Rolle in der Diskussion.
     

Abitur 2017

Obwohl das Ministerium frühzeitig auf die Neuerungen (in einem Schulleiterbrief) aufmerksam gemacht hat (Ministerialdirigent Dr. Bergner am 15.07.2015, Ministerialdirigent Lorenz am 24.05.2015) scheinen die Änderungen an der Basis, in den Fachschaften und bei einzelnen Kollegen nicht angekommen zu sein.

  • Nach unseren Recherchen können sich die meisten Kollegen unter den einschlägigen Begriffen (wie EPA’s, Standards, IQB, ländereinheitliche Aufgabe usw.) nichts Konkretes vorstellen. Nur ausnahmsweise fanden hierzu Fachschaftssitzungen statt. Es wäre hilfreich – noch einmal (Adressaten nun explizit die einzelnen Kollegen, resp. die Fachschaften) über Herkunft und Intention der ländereinheitlichen Prüfungs-Aufgabe zu informieren.
  • Insbesondere hat sich den Kollegen nicht erschlossen, weshalb es in Ba-Wü erstmals im Allgemeinbildenden und Beruflichen Gymnasium zu unterschiedlichen Abitur-Zeiträumen kommt.
  • In den Beruflichen Gymnasium wird – entgegen der Tradition – das Fach Deutsch als letztes Fach (!) nach den Osterferien (zusammen mit den allgemeinbildenden Gymnasien) am 25. April geschrieben. Dass mit dem Fach Deutsch das Abitur eröffnet wurde, hatte seinen guten Grund. Es ist das korrekturintensivste Prüfungsfach! (Man rechnet für die Korrektur eines Aufsatzes, inklusive der Abfassung des Gutachtens zur Begründung der Note im Schnitt mit drei Zeitstunden.)
  • Ein Kollege am Beruflichen Gymnasium hat die Erstkorrektur innerhalb von zwölf Tagen (da ist das Wochenende und ein Feiertag bereits mit eingerechnet) zu bewältigen. Neben der normalen Unterrichtsverpflichtung ist dieser Aufwand nicht zu schaffen. Der Verweis auf die fakultative Gewährung von Korrekturtagen reicht in diesem Zusammenhang nicht aus (vgl. Antwortschreiben von Herrn Siefert v. 09.08.2016).
     

Lehramtsstudium

Was man im Bologna-Prozess initiieren wollte, war von seinen Intentionen her sicher richtig. Ob es gelungen ist, die Abbrecherzahlen zu minimieren oder die Chancen für Studenten auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, sei dahingestellt.

  • Baden-Württemberg hat bis vor kurzem das „Staatsexamen“ als Voraussetzung für den Lehrerberuf angesehen. Die Studenten beklagen die ständige Umstellung im Lehramtsstudium, neuerdings auf Bachelor- und Masterstudiengänge. Zur Zeit existieren mehrere  unterschiedliche Leistungs- und Prüfungsanforderungen, was zu Ängsten und Verunsicherungen führt.
  • Außerdem würden sich Lehramtsstudenten in den didaktischen Begleitseminaren größere, fächerübergreifende Lerneinheiten bzw. das Lernen in Projekten wünschen.
     

Referendarsausbildung

Im Rahmen des neuen Ausbildungsplans (Referendarsausbildung an Gymnasien), der ab Januar 2016 gültig ist, wird explizit "sprachsensibler Fachunterricht" sowie "DaZ" gefordert. Derzeit gibt es eine Gruppe mit Vertretern aus allen gymnasialen Seminaren in Ba-Wü, die den Auftrag hat, "eine Konzeption für eine Zusatzqualifikation ‚Deutsch als Zweitsprache’ (DaZ) zu erarbeiten und zu erproben".

  • Um die große Nachfrage, die derzeit schon an DaZ-Angeboten an den Seminaren herrscht, auch in Zukunft decken zu können und ggf. stärker als bisher DaZ-Aspekte in die Fachdidaktik Deutsch integrieren zu können, ist eine profunde Qualifikation der Ausbilder am Seminar notwendig.
  • Didaktische Ansätze sollten eine vertiefende philosophische Grundierung erfahren.
     

Fortbildung

  • Viele Kollegen würden eine DaF/DaZ-Ausbildung oder eine entsprechende Qualifikation, evt. als berufsbegleitendes Kontaktstudium gern nachholen.
  • Ein längerfristig angelegtes Fortbildungsangebot für interessierte Vertreter von Seminaren oder auch von Lehrern an den Schulen müsste vom KM mit Entlastungsstunden vergütet werden.
  • Für einen Erfolg der Qualifizierung ist eine Abstimmung der Zielsetzungen und Inhalte in den einzelnen Phasen (1. Hochschule/Wissenschaft; 2. Studienseminar/Praxis; 3. Schule/Berufseinstieg) unverzichtbar.
  • Eine stärkere Institutionalisierung der Verflechtung beider Phasen von Universität und Studienseminar und Schule, beispielsweise über Tandems, wie sie an einigen Universitäten durch modularisierte Kooperationsmodelle durchgeführt werden, wären wüschenswert.

 

Der Vorstand des Fachverbands Deutsch
(Erhard Hönes, Hans Spielmann, Richard Kremer, Kirsten Krebsbach, Kai Voss, Dorothee Schreiner, Dr. Wolfgang Rzehak)

Ansprechpartner:
Dr. Wolfgang Rzehak
(Vorsitzender des Fachverbands Deutsch Ba-Wü)
rzehak@versanet.de

 








18.10.2016CBK Online-Redaktion
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