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Peter Stamm erhält Bodensee-Literaturpreis

Ein Wort des Schweizer Schriftstellers an angehende Abiturienten: „Pflichtlektüre hört sich so streng an. Die Literatur ist immer eine Bereicherung, liebe Kinder.”

Bodensee-Literaturpreis 2012 für Peter Stamm

Der Autor Peter Stamm, dessen Roman Agnes künftig Pflichtlektüre für das Abitur in Baden-Württemberg sein wird, erhielt am 2. Dezember 2012 den Literaturpreis der Stadt Überlingen.

Eine unabhängige Fachjury – Germanisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – vergibt den erstmals 1954 verliehenen Preis. Zu den bisherigen Preisträgern gehören u.a. Friedrich Georg Jünger und Martin Walser.


Die Laudatio von Oswald Burger steht auch als als pdf-Datei zur Verfügung.

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Ein Sommer und Herbst mit Peter Stamms Büchern

Lieber Peter Stamm,

liebe Mitjuroren Prof. Dr. Mario Andreotti, Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger, Manfred Bosch, Dr. Michael Brunner, Irene Ferchl und Dr. Ulrike Längle,

sehr geehrte Oberbürgermeisterin Sabine Becker, und sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Überlinger Gemeinderats, vielen Dank dafür, dass Sie die Tradition der Vergabe des Bodenseeliteraturpreises fortführen, sehr geehrte Damen und Herren,

zu Ihnen allen möchte ich darüber sprechen, warum wir uns für Peter Stamm entschieden haben und warum es sich lohnt seine Bücher zu lesen.

Peter Stamm wird heute für sein literarisches Gesamtwerk mit dem Bodensee-Literaturpreis der Stadt Überlingen ausgezeichnet. Damit wird ein Autor geehrt, der eher jung an Jahren ist, aber bereits ein breites literarisches Werk vorgelegt hat. Seine Themen sind die Beziehungen der Menschen. Wie können Paare, Generationen, Familien zusammen leben? Wie fühlt sich ein Leben ohne Partner an? Viele Spielarten von Liebesbeziehungen, Freundschaften und Ehen schildert Peter Stamm an ihrem Beginn, während ihrer Dauer und auch im Scheitern. Das ist zwar kein neues Thema der Literatur, aber wie Peter Stamm erzählt, das ist ganz zeitgenössisch, ganz modern.

Seine Bücher handeln präzise in unserer Zeit, sie erzählen die alten Geschichten neu. Die Blickwinkel und die Perspektiven, unter denen erzählt wird, sind erkennbar die eines jüngeren Beobachters. Seine Geschichten sind exemplarisch und allgemeingültig, aus allen zusammen ergibt sich ein gesellschaftliches Panorama unserer Zeit.

Peter Stamm ist nicht Psychologe, Pädagoge oder Seelsorger, er beurteilt und verurteilt seine Figuren nicht, sondern stellt sie vor. Damit aktiviert er im Leser verschiedene Wirkungen: Identifizierungen, Distanzierungen, Überlegungen den Blickwinkel zu wechseln oder eine andere Perspektive einzunehmen. Fast alle Geschichten sind offen, insofern sind sie inhaltlich sehr modern.

Sprachlich drückt sich Peter Stamm in einer schnörkellosen, präzisen und lakonischen Ausdrucksweise aus. Er geht sparsam mit beurteilenden Adjektiven um. Manchmal herrscht eine gewisse Kälte in seinen Texten. Das aktiviert dann das Urteilsvermögen des Lesers, der in der Regel Lösungen für sich selbst sucht. Dieses Bedürfnis befriedigt Peter Stamm nicht. Der Leser ist dadurch genötigt, das mögliche Positive, Konstruktive, die Problemlösung selbst zu erarbeiten. Die Leerstellen in den Büchern fordern dazu auf.

Obwohl es fast immer um das Grundthema der Beziehungen geht, gleicht keine Geschichte einer anderen. Die Konstellationen, Perspektiven und Darstellungsmittel sind jedes Mal andere, es sind aber die avancierten Mittel der modernen Literatur. Peter Stamm hat Vorbilder nur insofern, als seine Erzählweise zum ersten Mal in der modernen nordamerikanischen Literatur gebräuchlich wurde, er selbst nannte gelegentlich Ernest Hemingway und vor allem Raymond Carver als Vorbilder.

Ich will Ihnen seine Romane und Erzählungen beispielhaft vorstellen.

Agnes (Roman 1998)

Den Roman Agnes las ich schon 1998, als er erschien. Er verstörte mich wie die Männerbücher Max Frischs.

Die Geschichte führt in die USA und ein Schweizer ist der Protagonist und Ich-Erzähler, aber die Geschlechterverhältnisse haben sich geändert. Der Namenlose ist, wie Peter Stamm es lange war, ein Sachbuchautor mit literarischen Ambitionen. Und seine Geliebte Agnes ist die rationale Naturwissenschaftlerin, die als Mathematikerin das erforscht, "was die Welt / Im Innersten zusammenhält".

Während des Dreivierteljahres, das die erzählte Handlung zu dauern scheint, findet auf der zweiten Ebene der Fiktionalität ein anderer Zeitablauf statt: teils verzögert nacherzählend, teils zeitgleich, aber teils auch Künftiges vorwegnehmend schreibt der Ich-Erzähler nieder, wie er das Geschehene erlebt hat, gerade erlebt und für die Zukunft erhofft oder befürchtet. Agnes reagiert darauf, stimmt Manchem zu, missversteht Einiges, ist nach der Lektüre irritiert, und vielleicht hat genau der Umstand, dass der Erzähler sich ständig abbildend verhält, die Beziehung zerstört, wie er bereits im zweiten Satz eingestehen muss: "Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet." Der Ich-Erzähler ist so eingebildet, dass er nur seine Geschichten gelten lässt, nicht aber die Geschichte von Agnes.

Der vermeintlich klügere Macho wirft ihr vor: "Wie willst du schreiben, wenn du nicht liest?" – das sagt einer, der als "poeta doctus" auf den Schultern der literarischen Tradition sitzt, der aber zu einer unmittelbaren liebevollen Zuwendung nicht fähig ist, weil ihm stets literarische Muster aus den vielen Büchern einfallen, die er schon gelesen hat.

Eine Kernpassage des Romans ist die Erkenntnis des Erzählers: "Wir denken, wir leben in einer einzigen Welt. Dabei bewegt sich jeder in seinem eigenen Stollensystem, sieht nicht rechts und links und baut nur sein Leben ab und versperrt sich mit dem Schutt den Rückweg." (S. 104)

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Blitzeis (Erzählungen 1999)

Der Band Blitzeis von 1999 enthält sieben Erzählungen, die wenig Trost bereit halten, die den Leser verstören und verunsichern.

In der Geschichte "Das reine Land" lebt der Ich-Erzähler einsam in New York, er sieht eine Frau im Fenster, begehrt sie, vermutlich verwechselt er sie, ein Motiv, das schon Friedrich Georg Jünger, der Bodenseeliteraturpreisträger von 1955 in seiner berühmten Erzählung "Felicitas" durchspielte. Auch Peter Stamms Ich-Erzähler ist nur zu einer oberflächlichen Beziehung fähig. New York ist ein trostloser und anonymer Ort, die Schweiz erscheint dem Erzähler als Ziel seiner Sehnsucht.

Die Titelgeschichte "Blitzeis" in diesem Band beschreibt, wie ein Journalist, der über eine sterbende Frau schreiben soll, nicht in der Lage ist, sich dieser in Zuneigung zuzuwenden, obwohl sie viele Signale des Liebesbedürfnisses, der Einsamkeit, der erflehten Beziehung aussendet. Der Abschied von der Sterbenden ist denkbar traurig: "Sie fragte, ob ich zu ihrer Beerdigung kommen werde, und ich sagte, nein, wahrscheinlich nicht. Als ich mich in der Tür noch einmal umdrehte, schaute sie in den Fernseher."

Peter Stamm vermeidet psychologische Deutungen, erzählt lakonisch von Beziehungsschwierigkeiten und dem Sterben, den großen Themen der Literatur.

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Ungefähre Landschaft (Roman 2001)

Peter Stamms zweiter Roman Ungefähre Landschaft von 2001 ist ein Buch über Kathrine und ihre missglückenden Beziehungen mit Männern. Die Kälte und Dunkelheit nördlich des Polarkreises, wo Kathrine lebt, sind allgegenwärtig, Langeweile, Trostlosigkeit und Immobilität am äußersten Rande der bewohnten Welt.

Die Landschaft, die schon im Titel beschworen wird, spielt eine wesentliche Rolle in dem Roman, sie ist eine Metapher für die Kälte und die Dunkelheit, die das Leben Kathrines prägen. So wie sie versuchen auch ihre Männer aus ihren Welten auszubrechen, aber auch ihnen gelingt dies nicht. Kathrine schwankt zwischen dem Wunsch nach Autonomie und der Einfügung in ihr heteronom bestimmtes Leben.

Der Roman ist nicht aus der Ich-Perspektive geschrieben, der Leser erlebt aber die Geschehnisse nur aus Kathrines Blickwinkel. So verfolgt er ihren Leidensweg voller Verständnis, fragt sich aber doch, wie das aus der Sicht der Männer klingen würde.

Gerade dass Peter Stamm nicht alles erzählt, ist eine Qualität seiner Bücher, im Fall von Ungefähre Landschaft hatte ich am Ende nicht nur einen, sondern mindestens sechs Romane im Kopf.

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In fremden Gärten (Erzählungen 2003)

Vor die elf Erzählungen seines zweiten Erzählbandes In fremden Gärten von 2003 setzte Peter Stamm ein passendes Motto aus Goethes Erziehungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre, das folgendermaßen lautet: "Er blickte zum Fenster hinaus und sah in einem fremden Garten viele Menschen beisammen, von denen er einige sogleich erkannte."

Auch ich erkannte, ja: ich kannte sie alle:

- jenes alternde Ehepaar in "Der Besuch",

- jenen Henry aus Chemnitz,

- jene kranke Ruth aus der klassischen Kurzgeschichte "In fremden Gärten",

- jene Geschichten, in denen die Protagonisten in der Kälte von Manhattan, irgendwo in Osteuropa, in Lissabon oder in London trotz organisierter Kontakte einsam bleiben, die modernen reisenden Nomaden und Einsiedler mitten in Großstädten.

Elf Geschichten von heute, deren Protagonisten der Leser "sogleich erkannte", weil sie zeittypisch, generationsspezifisch, ganz heutig sind. Durch ihre ausschnitthafte Kürze tendieren die Erzählungen zur klassischen Kurzgeschichte, bieten keine Lehre, sondern regen an wie ein Blick zum Fenster hinaus in einen fremden Garten.

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An einem Tag wie diesem (Roman 2006)

Im dritten Roman An einem Tag wie diesem aus dem Jahr 2006 begleitet der Leser den schweizer Lehrer Andreas nach Paris, wo dieser beziehungslos dahinlebt, bis er mitgeteilt bekommt, dass es einen Schatten auf seiner Lunge gibt. Von da an steht sein Leben im Zeichen des Todes.

Ein existenzieller Roman, der am Ort des Existenzialismus angesiedelt ist. Peter Stamms Roman ist die moderne Version des Totentanzes, in der die Todgeweihten ausweichen, davonlaufen, sich ablenken und – sehr zeitgemäß – viel auf der Straße unterwegs sind.

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Wir fliegen (Erzählungen 2008)

2008 folgte Peter Stamms Erzählband Wir fliegen. Seit Arthur Schnitzler mit seinem Leutnant Gustl (1901) den "Inneren Monolog" in der deutschsprachigen Literatur einführte, ist diese Erzählweise immer wieder die Königsdisziplin großer Erzähler. Den Auftakt macht Peter Stamm mit der Erzählung "Die Erwartung", in der wir Leser nur im Inneren der Figur Daphne sind, die ausschließlich im Präsens und nur das erzählt, was sie wissen, ahnen, spüren und fühlen kann. Ob das, was sie sich wünscht, real wird, können wir uns selbst ausmalen. Auf 16 Seiten öffnet Peter Stamm uns eine Welt, in die man als Leser viel hineindenken kann.

Die letzte Geschichte im Band Wir fliegen heißt "In die Felder muss man gehen". Sie handelt von einem ungenannten Künstler und davon, wie die Perfektion zu erreichen ist, davon, ob die Kunst ein Abbild der Wirklichkeit oder eine Illusion liefern soll, vom Verhältnis zwischen Realismus und Künstlichkeit. Was Peter Stamm am Beispiel eines frühimpressionistischen Malers durchspielt, gilt auch für das Schreiben, er liefert in dieser Geschichte eine Poetologie seines Schreibens. Camille Corot war das Vorbild für Peter Stamm, dessen Werke zur Zeit in der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe zu sehen sind. Vielleicht haben auch Sie Lust, die Geschichte mit in die Ausstellung zu nehmen.

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Sieben Jahre (Roman 2009)

Der Roman Sieben Jahre von 2009 öffnet einen weiten Horizont. Wir befinden uns in der Erzählgegenwart am Beginn des neuen Jahrtausends.

Es geht um unterschiedliche Herkünfte, Erziehungen und Charaktere, die Beziehungen zwischen zwei Liebenden interessant machen oder gefährden können. Es geht darum, wie eine lange dauernde Beziehung sich erschöpfen kann. Das schwierige Gleichgewicht der für die Liebe notwendigen Nähe und der für die individuelle Entwicklung von Mann und Frau notwendigen Distanz muss immer neu austariert werden. Wir lernen ein Mittelschichtschicksal der achtziger und neunziger Jahre kennen. Wenn man späteren Generationen überliefern wollte, wie moderne Menschen dieser Jahre lebten, liebten und sprachen, liefert dieser Roman ein gutes Beispiel. Der Ich-Erzählerperspektive eines durchschnittlichen Mannes dieser Jahre geschuldet sind natürlich auch die zeittypischen Wertungen.

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Seerücken (Erzählungen 2011)

Das Preisgericht entschied sich für Peter Stamm als Träger des Bodensee-Literaturpreises vor allem auf Grund seines neuesten Erzählbandes Seerücken, erschienen 2011.

Die Eröffnungsgeschichte "Sommergäste" spielt im düsteren Val Sinistra im Unterengadin. Peter Stamms Ich-Erzähler ist Slawist und hat eine Arbeit über Maxim Gorki zu schreiben. Dafür zieht er sich in das Kurhaus zurück, in dem er von einer dubiosen Ana erwartet wird. Der Aufenthalt entwickelt sich zu einer kafkaesken Situation, als der Erzähler erfahren muss, dass das Kurhotel eigentlich geschlossen ist und zum Verkauf steht. Ob er sich Ana nur einbildet, ob sie sich als Obdachlose eingenistet hat oder ob sie die letzte übrig gebliebene Bedienstete im zum Verkauf stehenden Kurhotel ist, lässt Peter Stamm offen.

In "Das Mahl des Herrn" wird die Geschichte eines Pfarrers erzählt, der in seinem Amt nicht ankommt und schließlich ganz allein in der Kirche übrig bleibt. Er scheint seiner Gemeinde zu fortschrittlich zu sein, dabei hatte er "sich auf den Bodensee gefreut und hatte gedacht, die Menschen seien offener im Süden. Aber er hatte sich getäuscht." Diese Ent-Täuschung wird stimmig erzählt.

Meine Lieblingsgeschichte im Band Seerücken ist "Sweet Dreams", in der ein Liebespaar beschrieben wird, das in der Stadt arbeitet und auf dem Weg nach Hause ist. Das Paar wird von einem Fremden im Bus beobachtet, der offenbar Schriftsteller ist. Der Text hat eine Pointe auf der Meta-Ebene und handelt von der Entstehung von Literatur: Warum erfindet (sich) ein Autor seine Figuren? Wie kommen Figuren in eine Geschichte? Welcher Bezug besteht zwischen Realität und Fiktion? Ist das, was wir als Realität wahrnehmen, nicht schon eine fiktionale Konstruktion? Fragen über Fragen. Statt sie zu stellen oder zu beantworten, erzählt Peter Stamm einfach. Die Geschichte "Sweet Dreams" ist am Bodensee angesiedelt, sie spielt zwischen Weinfelden und Kreuzlingen.

Ein Kriterium für die Vergabe des Bodensee-Literaturpreises der Stadt Überlingen ist der Bezug des Autors oder seines Werkes zur Bodenseegegend. Im Band Seerücken kommt dieser Bodenseebezug, die sogenannte Bodanität, nicht bloß im Titel vor.

Der Pfarrer in "Das Mahl des Herrn" wird in eine Gemeinde am Bodensee versetzt (S. 47). Der Aufkleber auf dem Auto des Psychologen in "Im Wald" hat die "Form des Bodensees" (S. 75). In "Eismond" ist die Rede von einem Haus, dessen Lage am See spektakulär war (S. 88). Das Bauerndorf, in dem die Geschichte "Siebenschläfer" spielt, liegt offensichtlich am Thurgauer oder St. Galler Bodenseeufer (S. 107 f.). Hermann, der Protagonist von "Der Koffer" befindet sich offensichtlich in der Klinik Münsterlingen, wo er auch geboren wurde, das ehemalige Kloster der Benediktinerinnen beherbergt das Thurgauer Kantonsspital (S. 147 ff.). Und "Sweet Dreams" ist ein "Road Movie" quer durch den Thurgau.

Übrigens spielt der Thurgauer "Seerücken" nicht zum ersten Mal eine große Rolle beim Bodenseeliteraturpreis: In den drei Romanen, für die der aus Steckborn stammende Otto Frei den Preis 1980 erhielt, stand der Seerücken stets hinter dem Erzähler; Beat Brechbühl wurde 1999 für zwei Werke geehrt, von denen das erste ausdrücklich "Auf dem Rücken des Sees" heißt und im zweiten die Fußreise Adolf Dietrichs von Berlingen über den Seerücken nach Frauenfeld nachempfunden wird; und Zsuzsanna Gahses Hauptdarsteller in ihrem Buch durch und durch, für das sie 2004 ausgezeichnet wurde, ist die schweizer Hauptstraße Nr. 1, die am Zoll beginnt und über den Seerücken an Zsuzsanna Gahses Haus in Müllheim vorbei in das Herz der Schweiz und bis ins Welschland am Genfer See führt.

 

Bodensee-Literaturpreis für Peter Stamm

Peter Stamm wurde am 18. Januar 1963 im Thurgau geboren und wuchs in Weinfelden auf. Er machte eine kaufmännische Lehre bei einer Treuhandgesellschaft und arbeitete für kurze Zeit als Buchhalter in Paris. Er studierte einige Semester Anglistik, Psychologie und Psychopathologie in Zürich. Seit 1990 ist er freier Autor und Journalist.

Er schrieb für die schweizer Weltwoche, die Neue Zürcher Zeitung, Das Magazin und viel Satirisches für den Nebelspalter. Für Radio DRS, Radio Bremen, den WDR und den Süwestrundfunk schrieb er 16 Hörspiele, stilistisch experimentelle, erzählende und Adaptionen eigener Erzählungen. Es entstanden acht Theaterstücke, teils Auftragsarbeiten, die an verschiedenen Bühnen aufgeführt wurden. Neben vielen Filmkritiken schrieb Peter Stamm auch vier Filmdrehbücher. Er nahm auch Werbeaufträge an, Journalistisches publiziert er auch heute noch hin und wieder. Und er schrieb erst kürzlich einen Jugendroman, den schweizerischen Robinson, in dem er eine alte Robinsonade für die heutige Jugend neu erzählt.

Von den vielen hundert Titeln habe ich mich auf die belletristischen Bücher begrenzt. Wenn Sie auf die Homepage des Autors gehen, die ich übrigens gern empfehle: www.peterstamm.ch, können Sie Einblicke in seine Arbeiten nehmen.

Und auch den Deutschlehrerinnen und Deutschlehrern, den Abiturientinnen und Abiturienten unter Ihnen, die Agnes als Pflichtlektüre für das baden-württembergische Abitur behandeln und lesen dürfen, verweise ich auf Peter Stamms nette Handreichungen auf seiner Homepage zum Thema Pflichtlektüre.

Peter Stamm war schon viel unterwegs, länger lebte er in Paris, New York, Berlin und London. Aber auch in Skandinavien hielt er sich auf. Diese Weltläufigkeit geht in seine Arbeiten ein.

Er erhielt schon etliche Literaturpreise, aber noch keinen so speziellen wie unseren, der das Kriterium der Bodanität und eine hohe literarische Qualität erfordert.

Peter Stamms Werke stehen in der Tradition des Zeitromans des 19. Jahrhunderts und der Kurzgeschichte des 20. Jahrhunderts und sie stehen in der Tradition der großen Erzähler, die den Bodensee-Literaturpreis bereits erhielten:

Friedrich Georg Jünger und Jacob Picard für die Generation der Überlebenden der Vorkriegszeit, Martin Walser für die sechziger Jahre, Hermann Kinder, Peter Renz, Markus Werner und Michael Köhlmeier für die siebziger und achtziger Jahre, und nun Peter Stamm für die neunziger Jahre und das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends. 

Ich danke Ihnen, Peter Stamm, im Namen des Preisgerichts für Ihre Bücher, die mich lange und nachhaltig beschäftigten. Ich empfehle Ihre Bücher allen Lesern. Und ich freue mich auf weitere Bücher von Ihnen.

Der Preis soll nicht nur Belohnung, sondern auch Ermutigung sein.

Herzlichen Glückwunsch, lieber Peter Stamm.

Oswald Burger (Überlingen, 2. Dezember 2012)

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Zum Veranstaltungsbericht des Südkurier vom 02.12.2012 mit weiteren Informationen zum Literaturpreis klicken Sie bitte unten.





Laudatio zum Bodensee-Literaturpreis 2012 für Peter Stamm als pdf-Datei

Südkurier: "Bodensee-Literaturpreis an den Meister des Auslassens" von Uwe Petersen




07.12.2012CBK Online-Redaktion
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