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Schreiben – Lesen – Kompetenzen entwickeln

Schreibdidaktische Perspektiven für die Sekundarstufe

Vortrag von Professor Dr. Helmuth Feilke (Justus-Liebig-Universität Gießen)

Fortbildungsveranstaltung des Landesverbandes Hessen im Deutschen Germanistenverband am 24.02.2011 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Jugendbuchforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main

Im Blick auf das Gesamtthema stellte Herr Prof. Feilke in seinem Vortrag die Frage, was denn Schreiben eigentlich heiße. Historisch hätten sich die „Schreibbilder“ ständig verändert, sodass die Beschäftigung mit diesen „Konzepten des Schreibens“ in Bezug auf eine Didaktik des Schreibens unerlässlich sei.

So lasse sich noch im 19. Jahrhundert deutlich die „Vehikelfunktion“ des Schreibens festmachen. Es sei nicht um die Entwicklung eigener Gedanken gegangen, sondern um das schöne Schreiben, kalligraphische Traditionen, Reproduktion von Texten, ja sogar Schreiben als Fremd- und Selbstdisziplinierung - Abschreiben als Strafaufgabe. Schreiben sei meist bloßes Aufschreiben gewesen, ohne eigene Funktion. Insofern sei auch keine Didaktik nötig gewesen, da ja sprachliche Formen und Inhalte unabhängig vom Schreibprozess rhetorisch bereits abgeklärt gewesen seien.

Obwohl bereits Georg Christoph Lichtenberg erkannt habe, dass Schreiben das schlafende System in uns wecke, habe sich die Erkenntnis der elementaren Funktion des Schreibens für die kognitive Entwicklung erst im Laufe des 20. Jahrhunderts durchgesetzt. Das prozessorientierte Schreiben als  problemlösendes, kreatives Handeln und seine Bedeutung für die individuellen Lernmöglichkeiten erfordere natürlich Schreibstrategien, also eine Didaktik des Schreibens. Allerdings habe diese Didaktik in der Vergangenheit die Bedingungen sprachlicher Kreativität nicht konsequent im Fokus gehabt, denn Schule traktiere – auch heute noch – Schüler mit vorgegebenen Schreibübungen, Mustern wie Inhaltsangabe, Bericht, Beschreibung u. ä.. Kognitives Schreiben aber verlange gezielte, passgenaue Förderung.

Eine adäquate Schreibdidaktik müsse vor allem die Differenz zwischen Sprechen und Schreiben reflektieren. Liege beim Sprechen der Schwerpunkt auf der dialogischen, interaktiven Situation im Bezug auf einen konkreten Adressaten, so fehle beim Schreiben der situative Kontext. Schreiben sei monologisch, auf einen abstrakten Adressaten gerichtet. Zudem handle es sich beim Sprechen um ein flüchtiges, beim Schreiben jedoch um ein konstantes, auch historisch bleibendes Sprachprodukt. Die Abwesenheit des Adressaten  mache soziale Phantasie nötig, und der fehlende situative Kontext erfordere eine sprachliche Kontexterzeugung, die von der Verantwortlichkeit für den Text und der Reflexion über das sprachliche Produkt geprägt sei. Planungsnotwendigkeit und Planungskompetenz seien also unabdingbare Voraussetzungen für Schreibprozesse.

Professor Feilke zeigte im Anschluss an diese Prämissen, wie Texte "komponiert" werden können. Der Unterricht müsse die sprachliche Sozialisation der Schüler, vor allem ihre Lesekompetenz stärker im Blick haben. Lesefertigkeiten seien im engen Zusammenhang mit eigenen Schreibmöglichkeiten zu sehen. Lesen, Aussprache über Texte und ihre Organisation, auch über eigene Texte machten bewusst, wie Texte konstruiert sind, welche Gestaltungsmerkmale sie aufweisen. Das Bewusstmachen der "Bausteine" eines Textes müsse im Vordergrund stehen. Nur so könne der Schüler sich Texttechniken – individuell und trotzdem routiniert - aneignen, nicht über die noch häufig praktizierte reine Reproduktion von Textmustern (s. o.).

Mit einem konkreten Unterrichtsbeispiel Entwicklung von Textkompetenzen am  Beispiel des Beschreibens beschloss Prof. Feilke seinen Vortrag. In einem textvergleichenden Lesen eigener und fremder Texte könnten Texttechniken ermittelt und bewusst gemacht werden. Leserückmeldungen, qualifizierte Feedbacks durch interessierte Leser führten zur Einsicht in die Notwendigkeit der Überarbeitung. Der Unterricht müsse also einerseits durch situative Schreibaufgaben Text- und Handlungsmotive schaffen, andererseits eine Schreib- und Lesekultur in der Klasse entwickeln, die Aufmerksamkeit für fremdes und eigenes Schreiben schaffe.

Professor Feilke stellte uns freundlicherweise eine Liste zu Verfügung, die weiterführende Literatur enthält:

Feilke, Helmuth & Schmidlin, Regula. 2005. Forschung zu literaler Textkompetenz– Theorie– und Methodenentwicklung. In: dies. (Hgg.): Literale Textentwicklung. Frankfurt a.M. (Lang), S. 7-18.

Feilke, Helmuth. 2006. Der Stand der Dinge. Berichte und Berichten. Basisartikel. In: Praxis Deutsch 195, S. 6-16.

Feilke, Helmuth. 2003. Beschreiben und Beschreibungen. Basisartikel. In: Praxis Deutsch 182, S. 6-14.

Abraham,Ulf/ Baurmann, Jürgen/Feilke, Helmuth/ Kammler Clemens/ Müller, Astrid. 2007. Kompetenzorientiert unterrichten. Basisartikel. In: Praxis Deutsch 203, S. 6-16.

Feilke, Helmuth. 2008. Meinungen bilden. Basisartikel. In: Praxis Deutsch 212, S. 6-14.

Feilke, Helmuth. 2009. Wörter und Wendungen: Kennen – Lernen – Können. Basisartikel. In: Praxis Deutsch 218, S. 4-14

Feilke, Helmuth. 2011. Zeitungstexte. Basisartikel. In: Praxis Deutsch 225, S. 4-14.

Feilke, Helmuth. 2011. Literalität und literale Kompetenz: Kultur, Handlung, Struktur. www.leseforum.ch/myUploadData/files/2011_1_Feilke.pdf 18 Seiten

Fortbildungsveranstaltungen LV Hessen

Reden ist Silber… Schreiben ist Gold


10.08.2011Ursula ZierlingerLV Hessen

Call for Papers: Germanistentag 2013

Germanistik für das 21. Jahrhundert. Positionierungen des Faches in Forschung, Studium, Schule und Gesellschaft ***************************** Einsendeschluss: 30. April 2012


Artikel Call for Papers: Germanistentag 2013: Call for Papers: Germanistentag 2013: "Germanistik für das 21. Jahrhundert"

Diskussionsbeitrag zum Germanistentag 2013

"Was hat die Germanistik über die Beschäftigung mit den Grundlagen der Sprache, mit der Interpretation überlieferter Formen des Schreibens und deren Denkstrukturen hinaus uns Heutigen noch zu sagen?" Ein Essay von Wolfgang Rzehak


Artikel Diskussionsbeitrag zum Germanistentag 2013: Was hat die Germanistik uns Heutigen noch zu sagen? anzeigenDiskussionsbeitrag zum Germanistentag 2013: Was hat die Germanistik uns Heutigen noch zu sagen?

Literaturwettbewerb Rheinland-Pfalz

Literaturwettbewerb startet zum ersten Mal ****************** Der rheinland-pfälzische Landesverband des Fachverbands Deutsch schreibt in Zusammenarbeit mit mehreren großen Regionalzeitungen und dem Bildungsministerium einen Literaturwettbewerb aus. Nähere Informationen finden Sie hier:


Artikel Ausschreibung des ersten Literaturwettbewerbs Rheinland-Pfalz anzeigenAusschreibung des ersten Literaturwettbewerbs Rheinland-Pfalz

Deutschmagazin

Seit dem Jahr 2007 kooperiert der Fachverband Deutsch mit dem Oldenbourg Schulbuchverlag, genauer mit dem Deutschmagazin dieses Verlages. Jetzt bietet dieser das Deutschmagazin auch als E-Paper an. Weitere Informationen zum aktuellen Heft 3/2012 finden Sie hier


Artikel Heimat anzeigenHeimat

Germanistentag 2013 in Kiel

Die Initiative der Fachverbands-Mitglieder ist gefordert sowohl für die gedankliche Mitgestaltung als auch für die praktische Umsetzung. Können Sie sich vorstellen, selbst in einem klar abgesteckten Teilbereich und für einen begrenzten Zeitraum aktiv zu werden? Nähere Einzelheiten zum Stand der Dinge finden Sie hier und in der Rubrik "Germanistentage". Helfen Sie mit beim Germanistentag 2013! Gewünscht werden weitere Vorschläge und hier sind alle Verbandsmitglieder aufgefordert: sei es, dass Sie Namen von Personen nennen, die angesprochen werden sollten, sei es, dass Sie selbst oder jemand aus dem Landesverband Interesse hat. Bitte schicken Sie Namen und Kontaktdaten an eins der Vorstandsmitglieder. Einsendefrist 01.02.2012


Artikel Deutscher Germanistentag 2013 anzeigenDeutscher Germanistentag 2013

Deutschunterricht

Seit Anfang 2011 kooperiert der Fachverband Deutsch mit der Zeitschrift DEUTSCHUNTERRICHT des Westermann Verlages. Als "Abo plus" zugleich Printausgabe + Online-Archiv! Nähere Details unter "Mitglied werden"


Artikel Texte - Funktionen und Strukturen anzeigenTexte - Funktionen und Strukturen

----- Heinrich von Kleist -----

200. Todestag am 21. November 2011 -------------------------------- Der Fachverband Deutsch präsentiert zu diesem Gedenktag den Vortrag von Harro Müller-Michaels: „Heinrich von Kleists Dramen – Mythos und Gegenwart”.


Artikel Mythos - Drama - Kleist! anzeigenMythos - Drama - Kleist!