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Anforderungen an die schulische Schreibdidaktik

Studientag am 15. März 2012 in Saarbrücken: Texte schreiben im Deutschunterricht

Der traditionelle Aufsatzunterricht erlebt in den letzten Jahren einen immer stärkeren Wandel. Infolge der Kompetenzorientierung und Stärkung des Diagnose-Aspektes wandeln sich die Anforderungen an die schulische Schreibdidaktik rasant. In Kooperation mit der Fachrichtung Germanistik an der Universität des Saarlandes, dem dortigen Zentrum für Lehrerbildung, dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien sowie dem Saarbrücker Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung organisierte und kofinanzierte der saarländische Landesverband am 15. März 2012 einen ganztägigen Studientag für angehende und praktizierende Deutschlehrkräfte.


Dank der Unterstützung seitens der Universität des Saarlandes konnten rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Saarland und der Großregion ein fachlich fundiertes und thematisch sowie methodisch abwechslungsreiches Programm aus Vorträgen, Workshops und "Best Practice"-Beispielen erleben. In einem Grundsatzvortrag erläuterte der Kölner Sprachdidaktiker Professor Michael Becker-Mrotzek verschiedene Dimensionen der Schreibkompetenz. Er betonte insbesondere die Relevanz guter Aufgaben(stellungen). Nach einer Präsentation zu den Grundlagen der Schreibentwicklung stellte er anhand zahlreicher Beispiele vor, wie sich die Schreibleistungen von Schülerinnen und Schülern im Laufe der schulischen Bildungsstufen gestalten. Ferner zeigte er, welche Faktoren günstig bzw. hinderlich in diesem Prozess sind. Eine herausragende Rolle komme dabei den Schreibaufgaben zu, die – wie Becker-Mrotzek konstatierte – "die Steuerung des gesamten Schreibprozesses" verantworten würden. Zugleich leiteten sich aus ihnen "die Kriterien für die Beurteilung der Schreibprodukte her, denn beurteilt werden kann nur das, was die Aufgabe auch verlangt". Neben ausführlichen Informationen zu den Themengebieten "Aufgabentypen", "Maximen der Aufgabenstellung" und "Schwierigkeitsbestimmende Merkmale der Textsorte" gelang es dem Wissenschaftler immer wieder, Unterrichtsbeispiele für gelungene Schreibsettings zu präsentieren.

Vertieft und erweitert wurden diese theoretischen Wissenselemente durch neun Workshops, die von fachkundigen Referentinnen und Referenten angeboten wurden. Beispielsweise erarbeitete Jörg Jost (Universität Köln) mit seiner Gruppe die Anforderungen an kompetenzorientierte Schreibaufgaben (Lern‑ und Leistungsaufgaben), stellte vertiefend verschiedene Formate von Schreibaufgaben mit ihren Vor‑ und Nachteilen vor und zeigte konkrete Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht auf (u.a. zum Überarbeiten von Texten). Anja Schmitt (Universität Saarbrücken) legte den Fokus auf den kumulativen Aufbau von Schreibfertigkeiten, beispielsweise durch Schreibimpulse als Anregungen zum Schreiben, durch das Kreieren sinnvoller Schreibanlässe, Schreibübungen und -aufgaben sowie die diversen kooperativen und individuellen Schreibstrategien und Überarbeitungsformen.

Im Zentrum des Workshops der Stuttgarter Professorin Angelika Schmitt-Kaufhold standen die Phasen des prozessorientierten Aufsatzunterrichts sowie die Frage, wie man dem unterschiedlichen Leistungsstand der Lernenden in heterogenen Klassen gerecht werden könne. Dazu präsentierte sie verschiedene Möglichkeiten der Planung, des Verfassens und der Überarbeitung von Texten. Darüber hinaus erläuterte sie diverse Formen der Diagnose des Lernstandes und die entsprechenden Fördermöglichkeiten für unterschiedliche Niveaustufen des Wissens und Könnens. Weitere Workshops in diesem Feld betrachteten  die Themen "Schreibaufgaben im Literaturunterricht", "Binnendifferenzierung am Beispiel von Schreibaufgaben aus dem Literaturunterricht", "Schülerschreibberatung – ein Projekt am Hochwaldgymnasium Wadern" und "Schreibanlässe finden/Schreibformen unterstützen durch Methoden der Theaterpädagogik".

Ein innovativer und richtungsweisender Aspekt des Deutschlehrertages war sicherlich die Integration der Mehr- und Zweitsprachenforschung in die zentrale Fragestellung der Tagungskonzeption. Daher gingen Inger Petersen (Universität Oldenburg) und Nadja Wulf (Universität Saarbrücken) den Schwierigkeiten nach, die Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache beim Produzieren von Texten haben. Ferner untersuchten sie Unterstützungsformen, um DaZ-Schülerinnen und -Schüler beim Erwerb von Schreibkompetenzen zu fördern. Auch die fächerübergreifende Dimension des Schreibens kam im Rahmen der Veranstaltung nicht zu kurz, da Elisabeth Venohr und Carmen Neis (beide Universität Saarbrücken) die Schnittstellen des schulischen und universitären Schreibens herausarbeiteten. Am Beispiel des Seminarfachs in der Gymnasialen Oberstufe Saar verdeutlichten sie, wie wissenschaftssprachliches Arbeiten und Schreiben propädeutisch geübt werden können.

Der Saarbrücker Deutschlehrertag bot insofern viele Anregungen zum kompetenzorientierten und kreativen Einsatz von Texten im Deutschunterricht – und darüber hinaus. Nach den engagierten Diskussionen in den Workshops zeigte sich jedoch auch, dass es noch viele didaktisch-methodische Herausforderungen und offene Fragen in diesem Bereich gibt: bezüglich des Verhältnisses von Schreiben und Bewerten ebenso wie hinsichtlich Schreibkompetenz und schulischem Unterricht.

Der saarländische Landesverband wird die didaktischen Diskussionen zu diesem Themengebiet auch in Zukunft intensiv verfolgen und konstruktiv begleiten.

Torsten Mergen (Vorsitzender des Landesverbands Saarland)

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Der Tagungsbericht steht auch als pdf-Datei zur Verfügung.





Tagungsbericht 15.03.2012

Texte schreiben im Deutschunterricht




13.04.2012CBK Online-Redaktion
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