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Fachverbände lehnen den "Einheitslehrer" ab - Qualitätsverlust und Nivellierung drohen

„Die Küstenkoalition setzt mit dem Lehrkräftebildungsgesetz die anerkannt hohe Ausbildungsqualität der schleswig-holsteinischen Lehrerbildung aufs Spiel.”

Ulf Biethahn (Landessprecher vom Bundesarbeitskreis der Seminar- und Fachleiter/innen), Jürgen Schmidt (Vorsitzender des Vereins zur Förderung des mathematisch naturwissenschaftlichen Unterrichts MNU), Helmut Siegmon (Vorsitzender des Philologenverbandes) sowie Dr. Eckhard Formella (Vorsitzender des Fachverbandes Deutsch Schleswig-Holstein im Deutschen Germanistenverband) beziehen gemeinsam und dezidiert Stellung zum geplanten Lehrkräftebildungsgesetz in Schleswig-Holstein.

Hier finden Sie den Sendebeitrag „Lehrerverbände gegen Einheitslehrer” des Schleswig-Holstein Magazins vom 22.05.2014, 19:30 Uhr (NDR Fernsehen) mit der gemeinsamen Stellungnahme der einzelnen Verbände.

Den Presseerklärungstext der Fachverbände finden Sie beim Klick auf den Weiter-Button.


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Gemeinsame Presseerklärung vom 25.05.2014
des Bundesarbeitskreises der Seminar- und Fachleiter/innen,
des Vereins zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts,
des Philologenverbands,
des Fachverbands Deutsch Schleswig-Holstein im Deutschen Germanistenverband

Die Küstenkoalition setzt mit dem Lehrkräftebildungsgesetz die anerkannt hohe Ausbildungsqualität der schleswig-holsteinischen Lehrerbildung aufs Spiel.

Das Lehrkräftebildungsgesetz der Regierungskoalition aus SPD, Grüne und SSW wird von den Fachverbänden als Schritt in die falsche Richtung bewertet. Es ist richtig, dass alle Lehrkräfte die beste Lehrerausbildung erreichen sollen. Mit einer Einheitsausbildung im Sekundarbereich, die zudem noch nicht einmal auf die pädagogischen und curricularen Profile der Schularten ausgerichtet ist, wird genau das Gegenteil erreicht:

„Die Schüler brauchen Profis und keine vermeintlichen Alleskönner”,  sagt Ulf Biethahn, Landessprecher vom Bundesarbeitskreis der Seminar- und Fachleiter/innen e.V. So wie wir unsere Gesundheit auch nicht ausschließlich Allgemeinmedizinern anvertrauen, so brauchen wir auch für unsere Kinder Profis. Gerade in einer Zeit, in der die Inklusion weiter vorangetrieben werden soll, in der folglich die Bandbreite an Herausforderungen für die Lehrkräfte weiter zunehmen wird, ist die „Einheitslehrerausbildung” die falsche Antwort. 

Das Lehrkräftebildungsgesetz plant am tatsächlichen Bedarf vorbei. Es gibt ca. 170 Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufen im Land. Es ist eine Vergeudung von Ausbildungsressourcen, wenn alle dort unterrichtenden Kollegen auf den Oberstufenunterricht vorbereitet werden, den sie vermutlich nie erteilen werden. Kollegen, die zwar im Studium auf den Unterricht in der Sekundarstufe 2 vorbereitet werden, diesen aber nie erteilen, verlieren rasch diese noch nicht gefestigte Kompetenz. 

Jürgen Schmidt, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts (MNU), sieht für die Naturwissenschaften, die an den Gemeinschaftsschulen und an den Gymnasien sehr unterschiedliche Zielperspektiven verfolgen, durch das Konzept des Einheitslehrers gravierende Fehlsteuerungen und eine Nivellierung der Anforderungen voraus. 

Dr. Eckhard Formella, Vorsitzender des Fachverbandes Deutsch Schleswig-Holstein  im Deutschen Germanistenverband, weist darauf hin, dass es neben einer im Studium zu erwerbenden sozialpädagogischen Handlungskompetenz  gerade auch der vertieften  fachlichen Kompetenz bei Lehrkräften bedürfe, die in die Lage versetzt werden müssten, Oberstufenschüler optimal auf ein äußerst komplexes Studium oder ein fachlich höchst anspruchsvolles Berufsumfeld vorzubereiten. Das Regierungskonzept sehe derzeit aber nur eine verstärkte pädagogische Ausrichtung vor, kritisierte Formella. Würde dieses umgesetzt, müsste der fachliche Anteil bei einer notwendigerweise begrenzten Studienzeit deutlich zulasten der Bildung sinken.

Es sei damit derzeit nicht erkennbar, aber auch nicht vorstellbar, wie im geplanten Studien­gang die „länderspezifischen inhaltlichen Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerbildung” erfüllt werden könnten, auf die sich die Kultusministerien aller Bundesländer geeinigt hätten.

„Wer nach einem chaotischen Entwurfsverfahren das Lehrkräftebildungsgesetz als die avantgardistisch beste Lehrerbildung in der Republik lobt, darf sich nicht wundern, wenn dies niemand mehr glaubt und die fähigsten jungen Lehramtsaspiranten Schleswig-Holstein den Rücken kehren”, ergänzt Helmut Siegmon, Vorsitzender des Philologenverbandes. Die Behauptung der Küstenkoalitionäre, die Konzeption der einheitlichen Lehrerbildung sei das Ergebnis des Bildungsdialoges, ist falsch und muss gegenüber der Öffentlichkeit korrigiert werden. Ebenso falsch ist es, dass die Bildungsforschung für Schleswig-Holstein das Konzept des Einheitslehrers empfiehlt. 

Der eskalierte Streit zwischen den Universitäten verdrängte, dass für die Errichtung von Überkapazitäten jenseits präziser Bedarfsanalysen das Geld verschwendet wird, das für die Einstellung junger gut ausgebildeter Lehrkräfte nötig wäre, um heute in den Schulen 100% Unterricht für die Schülerinnen und Schüler sicherzustellen. Intelligente Bildungspolitik und eine verlässliche schulartspezifische Berufsperspektive wünschen sich diejenigen schon lange, die es besonders angeht: die Lehramtsstudierenden der Universitäten.

„Das Lehrkräftebildungsgesetz ist von so weitreichender Bedeutung, dass angesichts der verfahrenen Situation und der Vielzahl der ungeklärten und ungelösten Fragen ein Neustart unumgänglich ist”, stellt Siegmon abschließend fest.





Schleswig-Holsteinische Landeszeitung, 23.05.2014: "Steuerzahlerbund warnt vor den Kosten der Lehrer-Reform

Schleswig-Holsteinische Landeszeitung, 24.05.2014: "Landesrechnungshof: Berechnungen zu Lehrerausbildungs-Reform nicht transparent"

Lehrerausbildung Schleswig-Holstein




26.05.2014CBK Online-Redaktion
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