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"In der Haut eines Monsters" - Das Schöne an Literatur

Exklusiv: Publikumsgespräch mit dem Schweizer Schriftsteller Peter Stamm

Peter Stamm (Foto: Jürgen Bauer)
Peter Stamm (Foto: Jürgen Bauer)

Im Rahmen der Jahrestagung des baden-württembergischen Landesverbandes las Peter Stamm aus seinem Roman „Agnes”, der zur Pflichtlektüre für das Abitur (an Beruflichen Gymnasien 2012/13, an Allgemeinbildenden Gymnasien 2014/15) in Baden-Württemberg gehört. Das hier exklusiv dokumentierte Publikumsgespräch fand im Anschluss an diese Lesung statt.

Peter Stamm gibt aufschlussreiche Einblicke in den „intuitiven Prozess” des Schreibens, nimmt dezidiert Stellung zum „Spiel” des Interpretierens und zeigt anschaulich, warum ein literarischer Text als Kunstwerk „für sich selbst stehen” kann und „für sich selbst sprechen” muss.


Autorisierte Verschriftlichung der Aussprache im Anschluss an die Lesung von Peter Stamm

Zu Beginn zeigt Peter Stamm seine Homepage (PeterStamm.ch): Unter dem Stichwort „Agnes“ hat er eine Schülerseite eingerichtet. Dort finden sich Materialien zur Entstehung, Titelbilder verschiedener Ausgaben, eine Hörspielfassung, Kritiken, ein Interview, ein Videoporträt, etc.

Peter Stamm liest die Kapitel eins, neun und zwölf aus „Agnes“. Anschließend beantwortet er Fragen aus dem Publikum.

Als es im Zusammenhang mit der Fensterscheibe heißt „uns trennten nur ein paar Zentimeter“, ist damit ein möglicher Selbstmord gemeint und warum geht er nicht aufs Dach, wenn er sich töten möchte?

Interpretationsfragen verweigere ich eigentlich. Es gibt in dem Sinne keine richtigen oder falschen Lösungen. Da habe ich immer Angst, wenn ich sage, das ist so und so gemeint. Ich versuche den Schülern zu vermitteln, dass es eben keine richtige und falsche Interpretation gibt; es gibt zwar gute und schlechte Interpretationen, das wissen Sie alle, aber es ist nicht so, dass es die richtige Interpretation gibt. Ich glaube, das macht ja das Spannende an einem Buch aus, dass man es nicht nur auf eine Art lesen kann.

Ist das Restaurant ein chinesisches oder ein indisches? Ist diese Verquickung absichtlich? Kann man sich auf den Erzähler überhaupt verlassen?

Ich müsste jetzt auch noch mal nachlesen, ob es chinesisch oder indisch ist. Man weiß es halt nicht. Das ist ja auch seltsam, dass man bei Büchern immer ganz instinktiv dem Erzähler vertraut und man muss eigentlich immer ganz bewusst sagen, nein, nein, die meisten Erzähler sind nicht vertrauenswürdig.  Bei allen Büchern. Aber das fällt einem als Leser, auch mir selbst, unglaublich schwer, dem Erzähler nicht zu trauen, das kann man fast nicht.

Wie fühlt man sich als zeitgenössischer Schriftsteller, der ja nun nicht gerade uralt ist, wenn man plötzlich in den Abitur-Kanon des Gymnasiums aufsteigt?  Das stelle ich mir komisch vor.

Ja, aber, wie soll ich sagen. Ich habe sowieso nie ein Gefühl für mich als Autor gehabt. Ich schreibe meine Bücher und mache Lesungen, aber ich sehe mich nicht selbst von außen. Es gibt manchmal mit einem Buch, wenn ich auf Lesereise bin, vielleicht nach vierzig Lesungen, so einen Moment, wo ich plötzlich denke, was mache ich hier eigentlich. Und dann kommt es mir plötzlich seltsam vor. Aber sonst denke ich nicht an mich als an den Autor meiner Bücher, sondern ich mache einfach meine Arbeit. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, weil es  für mich letztlich eine größere Anerkennung ist als irgendein Preis, den man kriegt und dann ist es vorbei. Einfach, dass man diese Leser kriegt, das ist es ja, was alle Autoren wollen, dass man Leser hat. Und wenn da 100000 Leute etwas lesen von mir, dann ist das einfach toll. Da wird es natürlich ganz viele geben, die hernach nie wieder etwas von mir lesen, aber wenn der eine oder andere Lust kriegt, noch ein Buch zu lesen, ist das etwas vom Schönsten, was einem Autor passieren kann. Und ich glaube, es ist auch eine Legende, dass Schullektüre immer eine Qual ist. Ich habe Schullektüre sehr gemocht. Natürlich gibt es Schüler, die aus Prinzip nicht gerne lesen. Aber nach meinen Erfahrungen in vielen Schulen – das ist meistens eine sehr gute Atmosphäre und viele Schüler sagen, sie hätten es gemocht, jetzt nicht nur mein Buch – lesen die Schüler auch gerne in der Schule, denn es gibt da ja immer noch Mathe und noch schlimmere Sachen. Da ist Lesen dann meistens etwas vom Angenehmeren.

Womit wir Deutschlehrer immer konfrontiert werden, ist die Frage, hat der das denn alles so erlebt?

Also ich antworte meistens in die Richtung, dass ich sage, ohne Erfahrung kann man gar nicht schreiben. Das fängt schon da an, wo ich schreibe „ein Haus“: Dazu muss ich ja wissen, wie ein Haus aussieht, ich muss ja schon mal eins gesehen haben. Und von daher fließt natürlich mein Leben irgendwie in meine Bücher ein, aber nicht in dem Sinne, dass ich diese Geschichten so erlebt habe. Doch ich könnte Ihnen jetzt bei Agnes genau sagen, woher etwas kommt. Dass Agnes zum Beispiel den Teller so ein bisschen aufhebt mit beiden Fingern, das hat sie von meinem Vater. Das habe ich von ihm genommen. Es sind lauter kleine Fragmente, die zusammengesetzt sind zu dieser Geschichte. Aber so geschehen ist die Geschichte nie und es ist auch nicht so, dass ich sagen könnte, diese Figur entspricht der Figur in meinem Leben. Das würde mich nicht interessieren. Das ist die eine Ebene. Was ich den Fundus nenne, den jeder hat. Jeder, der etwas erlebt hat in seinem Leben, hat diesen Fundus von Erfahrungen.

Das andere ist, es gibt Themen, Dinge, die auf eine komische Art, die mir aber selbst nicht bewusst ist, irgendwas mit mir zu tun haben. Denn es ist ja nicht Zufall, was man schreibt und es ist auch kein Zufall, dass man sich immer wieder mit denselben Themen befasst. Aber woher diese Themen kommen, interessiert mich letztlich nicht so sehr. Das könnte man vermutlich in einer Psychotherapie herauskriegen.  Aber ich glaube, es wäre zu kurz geschlossen zu sagen, der Autor ist so wie seine Figuren. Es ist naürlich kein Zufall, dass Thomas Bernhard die Figuren schreibt, die er schreibt, aber ich glaube nicht, dass Thomas Bernhard eine seiner Figuren war. Sie haben irgendwas mit ihm zu tun. Auf eine verwickelte Art.  Ich weiß nicht, ob Ihre Schüler damit zufrieden sind. Dann sagen Sie einfach, er hat es erlebt. Ist ja egal. Solange ich  nicht in die Schule komme.

Wie lange hat es gedauert „Agnes“ zu schreiben? Und hatten Sie das Ende schon im Kopf?

Also, Sie können auf der Homepage in dieser Notiz ziemlich genau sehen, was am Anfang da war: Da ist ein Schriftsteller, der schreibt eine Geschichte über ein Mädchen, aber was dann geschieht, ist beim Schreiben völlig unklar. Das wusste ich erst, als es geschehen ist im Buch. Wie lange es dauert, das ist schwer zu sagen, ich habe das jetzt erst wieder versucht rauszukriegen.  Denn diese erste Notiz ist von Februar 93. Und dann habe ich offenbar in relativ kurzer Zeit die erste Version geschrieben, vielleicht in drei Monaten oder so. Es ging sehr schnell, aber die war nur halb so lang, wie das Buch jetzt ist. Die Gesamtarbeitszeit dürfte zwischen dreiviertel und einem Jahr liegen, aber das ist schwer zu sagen, weil die erste Version des Textes jahrelang liegengeblieben ist. Dann habe ich ihn irgendwann wieder rausgenommen und habe ein Hörspiel daraus gemacht. Also, ich kann es bei dem Buch wirklich nicht sagen. Heute ist es einfacher, weil ich eins nach dem anderen schreibe – dann kann ich sagen, da habe ich angefangen, da habe ich aufgehört.

In der Stelle, die Sie vorgelesen haben, wo Agnes liest und von ihrer Mimik abzulesen ist, was sie jetzt gerade erlebt, das fand ich sehr schön und anrührend. Agnes hat die Schule schon lange hinter sich. Was denken Sie, was muss der Deutschunterricht tun, was muss er vermeiden, damit die Schüler, nachdem sie ihren Abitur-Aufsatz abgeliefert haben, noch so lesen können wie Agnes?

Na ja, also erstens denke ich, ich bin nicht Pädagoge und ich bin kein guter Lehrer und von daher wäre es verwegen, Ihnen sagen zu wollen, wie Sie es machen sollen. Sie haben das ja alle gelernt und wissen es vermutlich. Aber die Lehrer, die mich begeistert haben für ein Fach, waren die, die selbst begeistert waren. Wir hatten einen Chemie-Lehrer, der hat praktisch das Lehrbuch vorgelesen und einmal hat eine Seite gefehlt und er hat es nicht gemerkt. Der war nicht begeistert von seinem Fach. Andererseits den tollsten Lehrer, den ich je hatte, war ein Professor an der Uni, ein Englisch-Professor, der mit solch einer Begeisterung unterrichtet hat, das war Lyrik, dass er alle mitgerissen hat und darum geht es. Wie man es dann technisch macht, das sind Fragen, die Sie besser beantworten können als ich. Dazu kommt natürlich, dass es einfach Leser und Nichtleser gibt. Ich habe sehr kultivierte, nette Freunde, die nie Bücher lesen, es ist wie ein Organ, das denen fehlt. Die sind deswegen nicht dumm, aber es sind Leute, die nicht lesen oder die nur Sachbücher lesen. Mein Großvater hat immer gesagt, warum soll ich Romane lesen, das stimmt ja nicht. Und die wirklichen Leser können Sie auch durch einen schlechten Unterricht nicht davon abbringen. Wer gerne liest, da kann man fast machen, was man will, der bleibt dabei.

Sie werden im Kontext behandelt mit Büchner und Frisch. Was würden Sie Schülern raten, wo sind die Berührungspunkte?

Also bei Büchner frage ich mich das auch. Das ist keine Kritik an der Auswahl. Aber ich sehe es einfach nicht. Bei Frisch ist es naheliegend. Ich hatte, als ich „Agnes“ schrieb, „Homo Faber“ noch nicht gelesen. Der ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Und dann kriegte ich von einer Schulklasse eine Mail, kurz nach dem Erscheinen von „Agnes“, mit einer Liste von zwanzig Parallelen zwischen den Büchern. Da habe ich gedacht, jetzt müsste ich den vielleicht doch mal lesen. In der Schweiz gibt es die Dürrenmatt-Leute und die Frisch-Leute und ich war ein Dürrenmatt-Mensch und habe fast alles gelesen von Dürrenmatt und von Frisch damals ganz wenig, „Montauk“ und „Holozän“.

Es gibt ja so eine Fülle von Verweisen auf andere Texte. Kommt das automatisch oder ist das bewusst gesetzt?  So dass Sie sagen, es ist mir wichtig, dieses Bild zu erwähnen oder den Thomas mal zu bringen. Für die Interpretation ist das natürlich ungemein hilfreich.

Das hat vielleicht damit zu tun, dass ich damals praktisch fast noch im Studium war. Ich hatte kurz vorher das Studium abgebrochen, mich aber immer noch an der Uni rumgetrieben. Von daher war das vielleicht einfach meine Welt damals, dass ich mich dauernd mit Büchern befasst habe und dass das ein ganz natürlicher Teil meines Lebens war. Es sollte auf gar keinen Fall so ein bildungsbürgerliches Schau-mal-was-ich-alles-gelesen-habe sein. Das gibt es ja manchmal auch. Ich habe schon Bücher gelesen, wo man denkt, wenigstens die griechischen Zitate könnte man ins Deutsche übersetzen, weil nicht  jeder Griechisch kann. Aber irgendwie ist es, wenn man gerne liest und viel liest, naheliegend, dass einem immer gleich noch irgendwelche Bezüge zur Literatur einfallen. Und dann sind es schon auch zum Teil – ja fast Hommagen an gewisse Leute. Hemingway war für mich ein sehr wichtiger Autor. Da finde ich es schön, wenn das Buch schon in Chicago spielt, ihn auch mal zu erwähnen.

Eine weitere Frage zur Intertextualität. Auflösung der Wirklichkeit und Problematisierung dessen, was Wirklichkeit ist.

Als ich an der Uni war, wollte ich ja schreiben und habe deshalb von Anfang an nicht ein Fach ganz stur verfolgt, sondern habe ganz viele andere Vorlesungen besucht, das konnte man damals. Ich war auch in der Kunstgeschichte in vielen Vorlesungen und da gab es eine Vorlesung, in der es oft um Seurat gng. Also wusste ich ziemlich viel über Seurat. Dann war ich in Chicago und habe dieses Bild gesehen, das sehr beeindruckendes ist. Heute ist er nicht mehr einer meiner Lieblingsmaler, aber ich finde ihn immer noch beeindruckend. Vor allem auch den Unterschied zwischen der Reproduktion und dem Original. Man kann das Bild praktisch nicht reproduzieren.  Und dann ist es einfach so, die gehen ins Museum und da hängt dieses Bild, das mir etwas bedeutet hat und ich glaube, der Gedanke kommt einem automatisch. Er hat keine bestimmte Absicht, beim Schreiben ist ganz wenig Absicht.

Sie schreiben von den Atomgittern und der Leere zwischen den Atomgittern, mit denen sich Agnes beschäftigt. Was ist das im Bezug aufs Schreiben? Wie ist das mit dem Fiktionalisierungsprozess?

Naja, sagen wir, von Anfang an bis heute, war das immer eins meiner Themen, dieser Gegensatz von Fiktion und Realität und auch die Unmöglichkeit der Fiktion. Aber die Bilder, die kommen einfach zusammen. Das ist ganz seltsam, während man ein Buch schreibt, scheint sich alles miteinander zu verbinden. Man sieht einen Film im Kino, hört jemanden etwas sagen und sofort fügt sich das ein in den Text, an dem man arbeitet. Aber es ist überhaupt kein mechanischer Prozess. Es ist ein rein ästhetisches Gefühl, was rein gehört, was nicht rein gehört. Das ist ganz seltsam beim Schreiben. Ich arbeite gerade wieder an einem Roman, bei dem ich Probleme habe. Es sind oft negative Gefühle gegenüber einem Text. Es ist nicht so, dass ich gewisse Probleme nicht lösen kann, sondern ich habe ein Gefühl gegenüber dem Text und ich fühle, dem Text geht es nicht gut, irgendetwas stimmt nicht mit ihm. Das Schreiben ist, würde ich sagen, fast 90% intuitiv. Es gab und gibt ganz viele Leute, die sagen, das kann nicht sein, „Agnes“ ist konstruiert. Es stimmt so einfach nicht. Das Buch ist nicht konstruiert. Natürlich bin ich nicht völlig naiv, ich habe es ja auch überarbeitet und da ändere ich schon gelegentlich Sachen, aber erstmal wächst das wie eine Pflanze, das ist wie ein organisches Wesen. Wenn es das nicht tut, dann gelingt es nicht. Ich glaube, ein Buch,  das man durchschauen kann, ist keine Literatur.

Was halten Sie von Literaturkritikern?

Kommt darauf an, was sie über meine Bücher schreiben.

Sie sind ja geradezu ein Liebling der Literaturkritik. Das Buch wurde sehr positiv besprochen. Allerdings auch mit der Gefahr, dass Sie in einer bestimmten Schublade abgelegt werden. Fühlen Sie sich als postmoderner Autor?

Solche Kategorien sind für Autoren sowieso nicht relevant, das ist mir eigentlich egal. Es hat keinen Einfluss auf meine Arbeit. Kritiker schreiben nicht für Autoren, sie schreiben für Leute, die allenfalls ein Buch kaufen möchten oder lesen. Und von daher bin ich nicht der richtige Adressat. Was mir aufgefallen ist, dass das Niveau der Kritik relativ tief ist in den deutschsprachigen Ländern. Bei meinen Büchern beschränkt es sich meist darauf, dass sie kurz zusammenfassen, worum es geht und dann schreiben sie, ich habe es gemocht oder ich habe es nicht gemocht. Und dann immer noch die drei gleichen Worte für meine Sprache. Die ist dann immer lakonisch und kühl. Es kam gerade „Sieben Jahre“ in den USA heraus. Und da haben Autoren darüber geschrieben. Und das sind die ersten wirklichen Kritiken, die beeindruckend sind. Wo ich merke, da versteht jemand ganz genau, was ich mache. Der hat das analysiert, die haben auch alle Bücher gelesen und machen große Artikel, wo sie das Werk eines Autors ganz genau anschauen. Das gibt es bei uns praktisch nicht. Oder ich wüsste nicht, wo das erscheinen würde. Vielleicht eher in der Wissenschaft, in der Kritik nicht. Es gibt ja auch die Organe gar nicht, oder ich kenne sie nicht, wo sich jemand einen Autor ausführlich vornimmt und über vier, fünf Seiten etwas Schlaues über ihn schreibt. Im englischsprachigen Raum gibt es das „Times Literary Supplement“, die „New York Review of Books“, auch „Harper’s Bazar“ und andere, die richtig ausführliche Kritiken publizieren.

Agnes ist 25, der Erzähler ist etwa vierzig. Louise mindestens dreißig. Die Mutter sagt auf der Party, ich lasse euch jungen  Leute mal allein. Wie lange gilt man als jung?

Als Tennisspieler bis ungefähr 19, als Autor bis ungefähr 60. Ich werde noch bei gewissen Lesungen als junger Autor eingeführt, was ich dann eher seltsam finde, ich bin jetzt neunundvierzig. Es ist ein bisschen so wie in den USA, wo dann in irgendeinem Verein von Pensionären kichernde alte Frauen von sich als girls sprechen. Das gibt es da ja ganz oft. Also ich glaube, jung kann man sehr lange sein.

Aber der Ich-Erzähler ist ungefähr vierzig?

Würde ich auch so schätzen.

Nochmals zurück zum Schreiben als intuitiver Prozess?

Natürlich kenne ich den kreativen Prozess sehr gut, weil ich das schon relativ lange mache. Und von daher habe ich gerne Figuren, die in einem Bereich arbeiten, den ich aus Erfahrung kenne. Ich finde es schwieriger, über einen Metzger zu schreiben oder über einen Zimmermann. Da muss ich viel recherchieren. Selbst der Architekt in „Sieben Jahre“ war zwar schon eine andere Welt, aber ich kann mich doch so ein bisschen in einen Architekten hineinversetzen. Das finde ich nicht so schwierig, weil es ja auch ein kreativer Beruf ist. Deshalb habe ich oft solche Figuren gewählt. Ich finde es ein bisschen problematisch, übers Schreiben zu schreiben. Ich habe einmal eine Poetikvorlesung gehalten in Wiesbaden, die kam auch mit anderen in einem Buch raus, beim Fischer Verlag. Aber ich finde es eher problematisch, einen Autor in einer Erzählung zu haben, weil natürlich dann die Gefahr noch größer ist, dass man mit ihm gleichgesetzt wird. Außerdem habe ich gerne Transformationen, ich schreibe gerne übers Malen und sage damit auch etwas über das Schreiben. Ich mag auch nicht aus meinem Leben schreiben, habe nie autobiographisch geschrieben, das hat mich nie interessiert. Ich habe es ganz gern, meinen Stoff zu maskieren, indem ich ihn transponiere.

Worin besteht Ihr Hauptinteresse beim Schreiben? Richtet sich Ihr Hauptinteresse eher auf die Sprache, den Inhalt, geht es um Selbsterfahrung, um Selbsttherapie? Oder denken Sie auch an den Leser?

An den Leser eher nicht. Man soll nicht für den Leser schreiben. Ich glaube, ein Kunstwerk, und ein literarischer Text ist ein Kunstwerk, muss für sich selbst sprechen. Das ist kein Produkt, dass ich für einen bestimmten Zweck herstelle, sondern das muss etwas sein, das für sich selbst stehen kann und nur so kann es dann auch für jeden etwas anderes sein. Wenn ich einen Kuchen backe oder ein Brot, dann ist es eben ein Kuchen oder ein Brot. Aber wenn ich ein Kunstwerk mache, das keinen bestimmten Zweck hat, dann kann jeder das anders lesen. Was mich am Schreiben vor allem fasziniert – natürlich ist die Sprache wichtig, der Text ist ja nur Sprache – ist nicht das Sprachspiel oder die schöne gedrechselte Sprache, sondern es ist die Darstellung von Wirklichkeit. Also der Versuch, irgendwie eine lebendige Welt zu schaffen mit Sprache. Die auch beim Leser lebendig wird. Ich weiß nicht, wie modern das ist. Ist vielleicht nicht so modern, aber das ist ja egal. Es ist ganz schwierig, eben nicht einfach nur Sprache zu beherrschen und schöne Sätze zu schreiben, sondern etwas im Kopf des Lesers zu bewirken, ohne dass er es merkt. Und was ihn dann vergessen lassen soll, dass er ein Buch liest. Und ihn im besten Fall in eine andere Welt versetzt. So wie ich das bei Autoren, die ich geschätzt habe, erlebt habe beim Lesen, bei Hemingway zum Beispiel. Als Kind kann man ja Mickey Mouse lesen, man ist in der Mickey Mouse Welt, da ist man noch sehr beweglich. Aber je älter man wird und je mehr man liest, desto schwieriger wird das. Ich habe mal nur versuchsweise drei Seiten Donna Leon gelesen und das ist unerträglich. Ich denke, mit 16 hätte ich das gelesen und wäre in Venedig gewesen. Wenn ich das heute lese, sehe ich nur, wie schlecht das geschrieben ist. Und von daher ist es schon schwierig, das hinzukriegen, dass die Leser mitfühlen, dass Gefühle entstehen im Leser. Ich habe das nicht unter Kontrolle. Jeder macht natürlich damit, was er will. Aber es führt teilweise dazu, dass mich Leute fast angreifen bei Lesungen, weil ich mit einer bestimmten Figur so und so umgegangen bin. Für die ist die Figur wirklich lebendig wie Menschen, die sie kennengelernt haben, die sie mögen oder auch nicht mögen. Es kommt dauernd vor, dass Leute sagen, der ist unsympathisch und das finde ich toll. Das kann nur Literatur.

Sie haben gesagt, dass Sie intuitiv schreiben und dass Sie die Absicht beim Schreiben nicht interessiert oder dass sie nebensächlich ist. Wir Deutschlehrer wollen den Schülern beibringen, einen Blick auf die Literatur zu haben, der interpretiert. Das heißt, wir zerlegen und oft sagen die Schüler, dass sie das nicht wollen oder wehren sich dagegen und wollen ein Werk vielleicht lieber intuitiv lesen. Wie stehen Sie dazu, wenn wir mir Ihren Werken so umgehen?

An der Uni habe ich Interpretieren immer gemocht. Ich fand das spannend. Es ist ja fast wie ein Spiel. Das führt natürlich dazu, dass man immer kritischer wird, dass man irgendwann Mickey Mouse nicht mehr lesen kann. Weil man es zu einfach durchschaut. Man verliert ein bisschen die Naivität. Das ist natürlich einerseits schmerzhaft, andererseits lernt man dadurch ja auch das wirklich Gute mehr schätzen. Ich persönlich finde das nicht schlimm, aber dass es einen gewissen Widerstand  gibt von Schülern, kann ich gut verstehen. Vielleicht kann man ihnen beibringen, dass beides möglich ist, das eine das andere nicht ausschließt. Das habe ich auch bei der Kunst gesehen. Nach diesen Vorlesungen über Seurat habe ich sicherlich ganz anders gesehen. Ich hätte viele Dinge nicht gesehen, wenn ich das Hintergrundwissen nicht gehabt hätte über ihn. Außerdem kann man gar nicht lesen ohne zu interpretieren. Selbst wenn es auf eine intuitive Art geschieht. Man deutet einen Text immer, sonst versteht man ihn ja gar nicht. Man kann einen Text nicht rein gefühlsmäßig wahrnehmen, man muss erst schon mal die Sprache in Bilder übersetzen, das ist ja schon ein intellektueller Prozess.

Gelegentlich erzähle ich meinen Schülern, dass der erste und der letzte Satz besonders bedeutsam sind. Sie haben geschrieben „Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet“. Soll ich meinen Schülern sagen, schaut euch diese zwei Sätze genau an oder war das intuitiv und kam einfach so?

Der erste Satz ist für den Schreibprozess ganz wichtig. Es dauert oft relativ lange, bis man den ersten Satz gefunden hat. Selbst wenn man die Idee hat, worüber man schreiben möchte, dann ist es ein langer Prozess, diesen ersten Satz zu finden. Denn der löst dann den nächsten aus und dann geht es immer so weiter. Es ist seltsam, wenn ich Texte noch so oft überarbeite, die ersten Sätze ändern sich praktisch nie. Das heißt, bei „Agnes“ hieß es ursprünglich „Agnes ist gestorben.“ Das habe ich dann irgendwann ersetzt. Aber heute ändern sich erste Sätze praktisch nie. Was ich den Schülern oft sage, ist, dass ein Text im Grunde bei jedem Satz aufhört und anfängt. Es ist wie bei einer Skulptur, die nirgendwo anfängt oder aufhört. Natürlich gibt es einen Text als Buch und natürlich hat er einen ersten und einen letzten Satz. Aber für mich geht es eher um die Form des Ganzen. Ich möchte den Text als Ganzes sehen, als Form und dann ist eben jeder Satz der letzte Satz, weil man ja überall noch weiter schreiben könnte. Ich entscheide bei jedem Satz, wie weit schreibe ich und wohin gehe ich nachher. Von daher reicht es nicht, sich nur auf den ersten Satz zu konzentrieren, man muss schon das ganze Buch anschauen. Es gibt von Hemingway, glaube ich, diesen Satz, man sollte den ersten und letzten Satz eines Textes immer streichen. Das hat was. Wenn man ein bisschen mehr Erfahrung hat, schreibt man die schlechten ersten und letzten gar nicht auf. Aber es gibt schon so eine Tendenz, im ersten zu viel zu sagen und im letzten dann zu viel zu erklären. Ich habe im Fall von „Agnes“ ein ganzes Kapitel gestrichen am Schluss. Da gab es noch ein kurzes Kapitel, das ganz weggefallen ist.

Das Buch ist unglaublich stringent. Das kann nicht nur intuitiv sein.

Ich erkläre es mir so. Man lernt schreiben, es ist ein ganz langer Prozess. Ich habe ja auch ganz viele schlechte Texte geschrieben, bevor ich „Agnes“ geschrieben habe. Man entwickelt mit der Zeit ein Gefühl für Form. So wie ein Maler eben ein Gefühl für die Linie bekommt. Wie Picasso, wenn der eine Linie zieht, dann stimmt sie. Wenn ich es mache, dann stimmt sie nicht. Der hat einfach gelernt, jetzt auch rein physisch als Maler, welche Bewegung er braucht, damit eine Linie entsteht, die stimmt. Und irgendwie lernt man als Autor, wenn man es lernt, wie eine Geschichte aufgebaut sein kann. Man kriegt ein Gefühl für Geschichten. Ich habe wirklich oft ein Gefühl für Form. Wenn ich einen Text nicht gut finde, dann ist das oft so ein Gefühl, hier ist er z.B. zu dünn, hier geht es zu sehr rauf und runter. Es sind fast geometrische Bilder, die ich habe.

Was den Schluss betrifft, heißt es, das Buch sei deshalb so gut, weil Sie nicht die Variante des glücklichen Schlusses gewählt haben.

Ja, auf jeden Fall. Das ist schon notwendig, dass es so endet. Manchmal kommen auch Fragen von Schülern, wie geht es denn weiter oder was passiert denn nachher. Die Frage ist sinnlos. Das sage ich den Schülern nicht. Das ist keine Kritik an den Schülern. Natürlich fragen die sich das. Aber das ist wie wenn man bei einem Gemälde fragt, was kommt noch links und rechts. Es gibt eben einen Grund, dass der Maler genau diesen Ausschnitt ausgewählt hat. Und da gibt es kein Links und Rechts.

Ist Agnes nun physisch oder psychisch oder nur in der Geschichte tot oder ist das eine Interpretationsfrage, auf die es keine Antwort gibt?

Ja, es gibt keine Antwort. Ich habe früher manchmal gesagt bei Schülern, wenn ich so gedrängt wurde, überlegt euch mal, was würdet ihr machen, wenn ihr in der Situation wärt. Also wenn ich jetzt einen Text fände, in dem meine Freundin meinen Tod beschreibt, ich denke mal, ich würde diese Beziehung beenden. Aber ich würde mich nicht umbringen. Andererseits ist das natürlich Agnes, das bin nicht ich. Und irgendwie sind die beiden ja schon in eine seltsame Geschichte verwickelt. Von daher, ich habe keine Ahnung.

Der Ich-Erzähler ist Schweizer. Muss ich als Deutsche etwas wissen, was ein Schweizer Leser vielleicht schon intus hat?

Es gibt kaum etwas, das typisch Schweizerisch wäre in dem Buch. Das einzige ist vielleicht dieser Satz, wie lange die Schweiz schon unabhängig ist. Da lachen dann vielleicht die Schweizer. Aber sonst könnte es genauso gut ein Deutscher sein. Ich bin halt selbst ein Schweizer, da ist es naheliegend, einen Schweizer zu nehmen. Er ist Schweizer und er hat am 1. August frei, weil er für eine Schweizer Firma arbeitet und weil es der Nationalfeiertag ist. Aber ansonsten verpassen Sie nichts, wenn Sie nicht Schweizer sind. In Beziehung auf das Buch.

Von der Sprache her, hat man den Eindruck, dass stark reduziert wird, wenn Sie Ihre Bücher überarbeiten, so dass eine Konkretheit entsteht, die aber nur scheinbar konkret ist.

Es ist nicht so, dass ich erst mal ganz viel schreibe und nachher die Hälfte rausstreiche. Ich schreibe von Anfang an knapp. Früher habe ich noch mehr gestrichen. Ich überarbeite schon ganz oft die Texte, aber das sind dann eher kleine Dinge, ein Wort oder ein Satzzeichen, das ich ändere.

In Ihrem letzten publizierten Band gibt es eine Erzählung über ein Mädchen, das in den Wäldern lebt. Das fühlte sich beim Lesen so authentisch an. Sie schreiben, was Sie erlebt haben oder begeben sich in Situationen, um Ihren Figuren nahe zu kommen.

Ich mache schon Recherchen. Dieses Mädchen, das im Wald lebt, das war ein Fall, den es bei uns gegeben hat. Und als ich den Text geschrieben habe, bin ich ganz oft in den Wald gegangen und habe versucht, mir vorzustellen, wie das ist, wenn man da lebt und habe auch versucht, den Wald anders wahrzunehmen. Das Lustige war, dass dieses Mädchen – also ich hatte den Artikel über sie gelesen und habe zehn Jahre später die Geschichte geschrieben –, als ich sie dann im Radio gelesen habe, hat sie sich gemeldet. Und wir haben uns getroffen und sie hat vieles bestätigt aus der Geschichte, anderes auch nicht. Es war ganz spannend. Die ist inzwischen Lehrerin geworden, übrigens. Ich würde nie über Orte schreiben, die ich nicht kenne. Es geht nicht darum, einfach den Lexikonartikel abzuschreiben, man muss ja einen Ort wahrnehmen. Da geht es um ganz viele Dinge, Gerüche, die Atmosphäre, alles mögliche. Es gibt ein schönes Zitat von Diane Arbus, der Fotografin: „It’s what I’ve never seen before that I recognize.“ Was ich noch nie vorher gesehen habe, erkenne ich. Und das geht mir oft auch so. Drum schreibe ich selten über Orte, die ich sehr gut kenne. Es sind immer Orte, an die ich hingehe, die ich kennenlerne und in dem ersten Moment ganz viel sehe. Man sieht ja an neuen Orten, die man noch nicht kennt, viel mehr als bei sich zu Hause. Und dieser erste Blick, der ist für mich sehr wichtig beim Schreiben. Dass ich ein Gefühl für einen Ort kriege. Und das versuche ich dann, in Texte zu übersetzen. Aber das Vorgehen hat viele Gefahren. Es ist wirklich ganz heikel. Auch z.B. aus der Sicht einer Frau zu schreiben. Das sind schwierige Sachen.

Am Ende kommen die zwei Varianten des Schlusses. Die eine, die böse, die er für sich behält, das ist ja die, die in etwa so geschrieben ist, wie Sie es beschreiben, in diesem Flow. Nur, der ist nicht zumutbar. Zumutbar ist nur der konstruierte, geschönte, überlegte. Warum schreiben Sie denn immer so negativ? Ihre Figuren sind ja manchmal echt grausig. Sie schreiben lauter so kaputte Geschichten und die Leute lesen sie gerne.

Das ist gerade der Grund, warum ich nicht an den Leser denken darf beim Schreiben, denn dann fange ich sofort an, mich zu fragen, ist das zumutbar. Und dann fange ich an, falsch zu schreiben, um irgendwem zu gefallen. Ich glaube nicht, dass es negative Geschichten sind. Es gibt in praktisch jeder Geschichte eine Entwicklung zum Guten. Das wird dann nicht bis zum Ende erzählt, wo alles gut wird. Aber es gibt in praktisch allen meinen Geschichten so ein Gefühl von ‚Ich habe etwas begriffen und jetzt werde ich etwas ändern‘. Oder vielleicht nicht mal etwas ändern, aber ich habe etwas begriffen, was ich vorher nicht begriffen habe. Und das ist für mich die positive Entwicklung, die in allen Geschichten drinsteckt. Das könnte ich jetzt vermutlich an jeder einzelnen Geschichte nachweisen. In einer ist es halt nur, dass einer seine Wäsche selbst wäscht und nicht mehr nach Hause bringt. Das ist ja auch schon eine Entwicklung.

Die Mehrdeutigkeit ist Ihnen eine wichtige Angelegenheit.

Absolut. Literatur muss immer mehrdeutig sein. Es gibt von Lichtenberg ein Zitat, wo er sinngemäß sagt, dass das Buch immer gescheiter sein muss als der Autor und ich glaube, das ist absolut so. Wenn der Autor alles weiß über sein Buch, dann ist es eine Katastrophe, dann ist es eine kleine Maschine, die kann man sezieren, auseinandernehmen, und sieht bei jeder Schraube, wozu sie gut ist, aber das ist für mich keine Kunst. Eine Maschine kann gebaut werden, aber Kunst kann nicht gebaut werden. Drum meine ich auch, das Schreiben sei ein intuitiver Prozess, wo einen die Figuren oft selbst überraschen, wo sie Dinge tun, bei denen man denkt, autsch, aber gut.

Kennen und mögen Sie Christoph Hein?

Ich habe ihn nie getroffen, aber ich habe ein paar seiner Bücher gelesen, die ich sehr mochte. „Der fremde Freund / Drachenblut“ vor allem. Ein Kritiker hat darauf hingewiesen, dass es da Parallelen zu „Agnes“ gibt. Da habe ich das Buch gelesen und habe es sehr gemocht. Sagt sie nicht am Schluss „Mir geht es gut“? Diesen Satz habe ich ihm irgendwann mal geklaut.

Es tut den Schülern unheimlich gut zu sagen, so möchte ich nicht sein. Das ist nicht mein Lebensentwurf. Der „Homo Faber“ lässt sich dann ganz leicht lesen. Jetzt hätte noch ein Buch ausgewählt werden müssen, das das aus der Sicht einer Frau erzählt.

Das wäre dann „Drachenblut“.

In meiner 12. Klasse sind hauptsächlich Mädchen. Ein Gutteil ist empört über diese Agnes. Sie konnten überhaupt nicht nachvollziehen, dass man so etwas mitmacht, sich literarisieren zu lassen, sein reales Leben danach einrichtet.

Aber das sind dann wieder die Leute, die ein Facebook-Profil haben und sich selbst literarisieren. Die tun das ja selbst inzwischen, jeder hat ja inzwischen so eine fiktive Nebenfigur. Es ist zudem ja nicht so, dass man gerade in der Literatur immer nur mit Leuten zusammen sein möchte, mit denen man auch in die Ferien fahren möchte. Das ist ja das Schöne an Literatur, dass man auch mal in die Haut eines Monsters schlüpfen kann. Das ist ja der Spaß beim Lesen, dass man Sachen ausprobieren kann.





Peter Stamm - Publikumsgespräch Bad Wildbad - Mai 2012




31.10.2012CBK Online-Redaktion
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