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CfP 15.05.2016: Theaterspiel im Deutschunterricht – – – – 25. Deutscher Germanistentag in Bayreuth

Panel "Vom Leben erzählen - Theatrale Lehr-Lern-Prozesse im Kontext literaturdidaktischer Konzepte literarischen und poetischen Verstehens"

Dieser Call richtet sich an theoretisch und praktisch Interessierte, die ihre Auseinandersetzung mit literatur- und theaterdidaktischen Konzepten, mit theaterpädagogischen Modellen und Methoden im schulischen, aber auch im universitären Literaturunterricht erweitern und vertiefen möchten. Wir wünschen uns knappe Impuls-Beiträge, die aus dem Workshop als praktischer Grundlage heraus in aspektgeleitete thematische Diskussionen überleiten.


Erzählen als Erwerb eines Bündels vielfältiger produktiver narratologischer Kompetenzen findet in der didaktischen Forschung ebenso Berücksichtigung wie die Rezeption medial unterschiedlich repräsentierter ästhetischer Formen des Erzählens (vgl. Claussen 2005; Leubner und Saupe 2009; Dannerer 2012). Größere mündliche Erzählzusammenhänge werden erfahrungsbezogen vor allem in der Primarstufe und in den frühen Jahrgängen der Sekundarstufe I berücksichtigt.

Darüber hinaus spielt das Erzählen oft eine nachgeordnete Rolle; dabei ist es mit Blick auf literarische und poetische Verstehensleistungen (vgl. Abraham 2010, Wintersteiner 2010) besonders in der Sekundarstufe II mit wesentlichen Kompetenzen und Fähigkeiten verbunden, die theatrale produktive Lernvorgänge und theatrale ästhetische Erfahrensprozesse systematisch einbeziehen sollten.

Dieses Panel setzt dort an, wo Erzählen im Alltag stattfindet, außerhalb der Schule, im familiären Umfeld, in der Peergroup, in den Medienangeboten oder im öffentlichen Raum. Dort, wo Menschen beobachtbar sind. Deren körperliche Haltungen, Gesten und Gebärden können Anlass dafür sein, Schülerinnen und Schülern von ihrem unbekannten Gegenüber zu ‚erzählen’. Fremdbegegnung und Aktivierung der individuellen Vorstellungskraft im Kontext literarischen und poetischen Verstehens setzen nicht erst im Klassenraum an, das ist unlängst erkannt worden.

Den didaktischen Potenzialen solcher Spuren alltäglichen Erzählens soll im Rahmen des Panels vor dem Hintergrund zweier Fragestellungen nachgegangen werden:

1. Wie können literarische und poetische Verstehensprozesse am Beispiel literarischer Figuren durch den theatralen schöpferischen Umgang mit Erscheinungsformen alltäglichen Erzählens gefördert werden?

Im ersten Teil des Panels wird ein theaterpraktischer Workshop die Teilnehmenden mit Begriffen theatraler Haltung und Geste im Rahmen kleiner Übungen vertraut machen; eigene Beobachtungen und einfache mimetische Vorgänge des ‚Abnehmens vorgefundener Haltungen’ im öffentlichen Raum bilden die Grundlage für eine Begegnung mit literarischen Figuren. Vielleicht weckt bspw. die Haltung des auf einer Parkbank sitzenden und die Spatzen beobachtenden Mannes Assoziationen an einen Gregor Samsa, der im fortgeschrittenen Alter auf das Erlebte zurückschaut. Entscheidend ist dabei: Die Annäherung erfolgt in erster Linie theatral-produktiv und bindet die Anbahnung sowohl persönlichen als auch ästhetischen Erfahrungsbezugs ein.

2. Welche (fachübergreifenden) Anschlusskommunikationen sind realisierbar?

Im engeren Sinne betrifft dies Fragen der Fortführung theatraler Lernphasen im Rahmen literarischen und poetischen Verstehens einerseits sowie Teilkompetenzen analytischen Literaturunterrichts andererseits. Im weiteren Sinne lassen sich unabhängig von der jeweils zugrunde gelegten literarischen Ganzschrift Fragen der Konstruktion von Welt durch das Subjekt, gewissermaßen am Ort ihres Erzähltseins, aufwerfen: Wie entstehen kognitionspsychologische Konzepte? Welche kommunikationstheoretischen Implikationen werden hier deutlich?

Inwiefern liefern diese Vorgänge des Beobachtens, der Perspektivübernahme und Projektion ein anschauliches Beispiel für konstruktivistische Philosophie oder Pädagogik im Unterricht?

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Anregende und kontroverse Fragen und Hypothesen könnten mit Blick auf den Gegenstand und die Ausrichtung des Workshops diesen Themenfeldern entnommen werden:

  • Theatrale ästhetische Erfahrungen und/oder Kompetenzorientierung als Widerspruch oder Bereicherung?
  • Herausforderungen der Dokumentation und Bewertbarkeit solcher erfahrungsbezogener Lernprozesse
  • Möglichkeiten zur Anschlusskommunikationen dieser oder vergleichbarer theatraler Produktionsprozesse im Literaturunterricht
  • Machbarkeitsfragen: Anforderungen an die theaterlehrende Deutschlehrerin und den theaterlehrenden Deutschlehrer
  • Methodenvielfalt und didaktische Ziele; weitere alternative Verfahren im Fokus
  • Aufgabenstellungen und Impulse konkretisieren
  • Prozess- und/oder Produktorientierung?
  • Metakognitive Prozesskompetenzen
  • Überführung der skizzierten theatralen Lernphasen in Schreibimpulse; Unterstützung prozessorientierten Schreibens
  • Verbindungen zum Vortragen oder mündlichen Erzählen im Unterricht

Senden Sie eine Fragestellung oder Hypothese mit knapper erklärender Ausführung (zwischen 800 und 1000 Zeichen, mit Leerzeichen) zu einem der genannten Schwerpunkte und eine Kurz-CV bis zum 15.05.2016 an Tom Klimant (tom.klimant@uni-bayreuth.de).

Die ausgewählten Impuls-Beiträge werden von den anwesenden Beiträgern vorgestellt und an thematischen Tischen bspw. im Rahmen eines Word-Cafés aufgefächert. Der zusammengestellte Ideenfundus soll bewahrt werden, über eine geeignete Präsentations- und Publikationsform wird je nach realisierter Arbeitsform im Anschluss an die Veranstaltung zu entscheiden sein.





Germanistentag 2016




25.02.2016CBK Online-Redaktion
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