Unsere Themen


Jugendliche und Literatur - wie bringen wir sie zusammen?

Jahrestagung des baden-württembergischen Landesverbands am 12. und 13. Juni 2015 in der Staatlichen Akademie Bad Wildbad (Schwarzwald)

Nachdem sich der Fachverband Deutsch BaWü in der Vergangenheit vorwiegend mit den Pflichtbereichen und -lektüren im Abitur sowie mit dem Anforderungsprofil verschiedener abiturrelevanter Aufsatzarten auseinandergesetzt hat, soll diesmal der Schwerpunkt auf die Vermittlung von Literatur, ausgehend von der Sekundarstufe I, gelegt werden.

                                                   ********

Der Prospekt mit ausführlichen Informationen steht ab sofort zur Verfügung.

Anmeldung bis 12.05.2015

                                                   ********

Lesen Sie zur Einstimmung auf das Thema den Essay „Illiteralität als Kulturbruch – Deutschunterricht im gesellschaftspolitischen Kontext” von Dr. Wolfgang Rzehak.


Unser Rahmenthema „Heranführen von Jugendlichen an Literatur” richtet den Fokus auf die Mittelstufe (Klasse 8 – 10) bis hin zur Oberstufe.

 

Herr Prof. Dr. Jürgen Belgrad will uns in seinem Einführungsvortrag „Faszinieren statt Interpretieren” wachmachen für vielleicht verschüttete, respektive brachliegende Potentiale „enthusiastischen Unterrichtens”.

 

Als „Dichterlesung” haben wir die baden-württembergische Championesse im Poetry-Slam geladen. Sophie Passmann, die auch vom Rundfunk (Hitradio) her bekannt ist, steht uns ebenso für den Lyrik-Workshop zur Verfügung, in dem die Begeisterung für das gesprochene Wort im Vordergrund stehen wird.

 

Weitere Workshops beschäftigen sich mit Vampirmotiven in der erzählenden Literatur (Thomas Rahner) oder mit der Gestaltung von Dramenszenen mit den Mitteln des Puppentheaters (Richard Kremer).

 

Prof. Dr. Thomas Lischeid widmet sich der intermedialen Verschränkung von Text und Bild.

 

In allen Workshops sind die Kolleginnen und Kollegen aufgefordert, anhand ausgeteilter Materialien sich selbst einzubringen, Ideen in die Praxis umzusetzen und/oder einfach (mal wieder) etwas Neues auszuprobieren.

 

Korrespondierend zum Eröffnungsvortrag wird Jun.-Prof. Dr. Torsten Pflugmacher im Abschlussvortrag der Frage nachgehen, inwiefern beziehungsweise inwieweit man „Literatur verstehen lernen und auch lehren lernen” kann.

 

Bei unserer Jahrestagung sind in besonderem Maße auch Realschulkolleginnen und -kollegen sowie Kolleginnen und Kollegen, die in der Mittelstufe unterrichten, angesprochen. Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bundesländern sind natürlich auch herzlich zu unserer Tagung eingeladen.

 

 

Für den Vorstand

 

Wolfgang Rzehak

 

*******************************************************************

 

 

Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Belgrad (PH Weingarten)

 

Faszinieren statt Interpretieren
Leseförderung als Lese-Lust – Relevante, empirisch begründete und leicht umsetzbare Formen der Leseförderung

 

„Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen.” Dieses 500 Jahre vor Christus formulierte Zitat des Philosophen Heraklit wird heute von den unterschiedlichsten Wissenschaftlern bestätigt.

 

So zeigt der sich selbst so nennende Langeweile-Forscher Thomas Götz, dass „Enthusiastisches Unterrichten” einer der wichtigsten Faktoren erfolgreichen Lernens ist (1994). Und auch die Metaanalysen des John Hattie bestätigen die zentrale Rolle der Persönlichkeit des Lehrers (2009). Gleichzeitig gilt die Leselust als zentraler Schlüssel zur Förderung der Lesekompetenz.

 

Wir konnten zeigen, dass regelmäßiges Vorlesen der Lehrkraft die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler hochsignifikant steigert, die Zuhörkompetenz fördert und die Arbeitsatmosphäre in den Klassen verbessert. Das von den Schülerinnen und Schülern als fast unerträglich empfundene Interpretationsgespräch kann durch Formen der motivierenden Anschlusskommunikation und des wenig lehrerzentrierten literarischen Gesprächs durch stark subjektbezogene Zugänge und ungewöhnliche Fragestellungen herausgeführt werden. Wenn dann noch unkomplizierte Formen der Förderung von leseschwachen Schülern hinzukommen, können sich unterrichtliche Kommunikationen herausdestillieren, die die Schüler und Schülerinnen nicht bloß mitnehmen, sondern sie sogar zu begeistern vermögen: FASZINIEREN STATT INTERPRETIEREN!

 

Projekthomepage: www.lesefoerderung-durch-vorlesen.de

******************************************************************* 

 

Lesung: Von Pudeln, Panzern und Psychopathen
Slam-Poetry von Sophie Passmann

 

Passmann schreibt und slammt, seit sie 15 ist. Sie war schon BaWü-Championesse,  Hausautorin am Theater Freiburg, hat 2013 den Kulturförderpreis der internationalen Bodenseekonferenz verliehen bekommen und fährt furchtbar viel Zug. Ihre Texte finden statt an Kneipentresen oder auf Autobahnen und handeln von irgendwas zwischen Weltschmerz und dem Versuch, die Welt zu umarmen. Sie liest aus ihrem ersten Buch „Monologe angehender Psychopathen”.

 

www.hitradio-ohr.de/team/89/Sophie-Passmann.html

 

Workshop „Poetry-Slam im Deutschunterricht der Mittelstufe”

 

Dichterlesung? Klingt verstaubt. Poetry-Slams begeistern allerdings in jeder größeren Stadt vor allem Schüler und Studenten. Poeten lesen ihre selbstgeschriebenen Texte vor, das Publikum kürt mit Punktwertungen den Gewinner des Abends. Im Workshop wird eine Annäherung an Poetry-Slam, die verschiedenen Textgattungen von Spoken Word, Vortragsweisen und Regeln vorbereitet. Außerdem werden unterschiedliche Textbeispiele anhand von Youtube-Videos gezeigt und passende Schreibübungen für die ersten Slamtexte gegeben, die ihren Schwerpunkt auf „Schreiben für das Hören” legen. Kenntnisse über Poetry-Slams sind nicht nötig, da die Textbeispiele und das Regelwerk gemeinsam erarbeitet werden.

 

Der Workshop hat zum Ziel, SchülerInnen für das gesprochene Wort zu begeistern, neue Textarten kennen zu lernen und selbst auszuprobieren, sowie im lockeren Rahmen das Sprechen vor Anderen zu üben.

 

Workshopleiterin: Sophie Passmann, Poetry-Slammerin aus Offenburg

 

*******************************************************************

 

Workshop „Das Vampirmotiv in der Jugendliteratur als Thema des Deutschunterrichts in der Mittelstufe” 

 

Die große Faszination, die auch für die heutigen Jugendlichen vom Wesen des Vampirs ausgeht, dokumentiert die Twilight-Trilogie hinreichend. Im Workshop werden Auszüge aus Polidori, Der Vampir, Lord Byron, Ein Fragment, Bram Stoker, Dracula und Stefanie Meyer, Twilight, Bis(s) zum Morgengrauen für den Unterricht aufbereitet, interpretiert und analysiert. Ein Impulsreferat zum Thema leitet in den Workshop ein. Umfassende Textkenntnisse sind nicht nötig, da es zu den literarischen Dokumenten, an denen gearbeitet wird, inhaltliche Zusammenfassungen gibt, die eine Textarbeit auch ohne detaillierte Kenntnisse der Literatur möglich machen. Ziel des Workshops: Die Freude an der Auseinandersetzung mit Literatur bei Jugendlichen wecken. 

 

Workshopleiter: Thomas Rahner, Kaufmännische Schulen Offenburg

 

 

*******************************************************************

Workshop „Szenisches Gestalten mit den Mitteln des Puppentheaters”

 

In praktischer Arbeit werden Puppen gebaut (Stockpuppen, Stockhandpuppen), die dann zu Protagonisten in Dramenszenen werden können. Die Reduktion auf die Darstellungsmöglichkeiten, die das Puppenspiel hat, verlangt eine Konzentration auf klare, einfache und wesentliche Gestaltungsmittel und damit eine Analyse von Szenen im Hinblick auf ihre zentralen emotionalen Elemente und ihre zentralen Handlungsmomente.

 

Weiterhin geht es um die Verteilung von Spiel, Text und Licht sowie Geräusch oder Musik bei einer Puppentheateraufführung. Die Arbeit orientiert sich an den Möglichkeiten, die alle Schulen haben sollten, und möchte die notwendigen Grundkenntnisse vermitteln, um mit Schülerinnen und Schülern Puppen zu bauen und Szenen im Puppenspiel zu gestalten. 

 

Workshopleiter: Richard Kremer, Otto-Hahn-Gymnasium Karlsruhe

 

******************************************************************* 

 

Workshop „Erzählen intermedial – Innovative Darstellungsweisen und Genres der Gegenwartsliteratur”

 

Gibt es Formen von Darstellungsweisen in Literatur und Medien, die als besonders typisch und innovativ für unsere aktuelle Gegenwart gelten können? Anhand von bestimmten Beispielen der Erzählliteratur über aktuelle Themenbereiche sollen bestimmte Annahmen über markante Tendenzen der Gegenwartsliteratur einer kritischen Überprüfung unterzogen und auf ihre didaktische Relevanz hin erörtert werden. Als solcherart grundlegende und richtungsweisende Hypothesen, die im Rahmen des Workshops behandelt werden können, sind stichwortartig zu nennen:

 

  • die Entwicklung einer Art „Neuen Realismus” in Orientierung an Darstellungsinhalten und -formen aktueller Massenmedien (Printpresse, Fernsehen, Internet),
  • intermediale Verschränkungen von Text- und Bild-Darstellungen in Form „Graphischer Erzählungen” (Bildgeschichten, Comics, Graphic Novels),
  • die Orientierung an Präsentationstechniken aktueller Audiovision (TV, Computer, Tablet) in Gestalt von „Erzählperspektiven literarischer Bildschirm- und Monitor-Simulationen”,
  • Grenzüberschreitungen zwischen rein faktualen und rein fiktionalen Ausrichtungen als „Doku-Fictions” bzw. „fiktionalisierte Dokumentationen”,
  • die Verbindung von vergangenheits- und gegenwartsorientierten Erzählweisen mit Nah-Zukunft-Simulationen in sogenannten „Zukunft-Szenarios”.

 

 

Workshopleiter: Prof. Dr. Thomas Lischeid (PH Weingarten)

 

******************************************************************* 

 

Vortrag von Jun.-Prof. Dr. Torsten Pflugmacher (Uni Mainz)

 

Kann man Literatur verstehen lehren?
Problemeröffnende und praxisorientierte Fallrekonstruktionen aus der späten Sekundarstufe I
 

 

Verbunden mit der fachdidaktischen Zuversicht, dass im Literaturunterricht jungen Menschen bildsame Erfahrungen mit Literatur im schulischen Kontext ermöglicht werden, wird hier verfolgt, welche Herausforderungen dies für die Unterrichtsplanung, vor allem aber für die kommunikative oder vielmehr hermeneutische Professionalität des Deutschlehrenden in situ mit sich bringt. Während mittlerweile im Rahmen der deutschdidaktischen Professionsforschung eine Reihe von Studien zum literaturdidaktischen Lehrerwissen vorliegen, fehlt bislang eine literaturdidaktische Unterrichtsforschung, welche die Prozesse der Vermittlung und der Aneignung von Literatur nachvollziehend erschließt (aber auch die Prozesse der Nichtvermittlung und der Nichtaneignung), ohne sie auf vorweg gebildete psychometrische Faktoren zu reduzieren, sondern vielmehr den spezifischen Verstehensmodi der schulischen literarischen Bildung nachgeht.

Die methodisch geleitete Analyse von alltäglichem Literaturunterricht zeigt: Einerseits ist überraschend, dass Deutschlehrende die – durchaus riskante – Arbeit am Verstehen der Schüler eher zu vermeiden suchen. Umgekehrt wird sichtbar, dass Schülerinnen und Schüler Angebote bzw. Aufforderungen zu freier, subjektiver Deutung wenig ernst nehmen und im Rahmen offener didaktischer Angebote die gewohnte Geschlossenheit selbst herstellen. Beides führt zu typischen Problemkonstellationen. Fallanalysen dieser Praxis können dazu beitragen, lehrerentlastend Herausforderungen der Literaturvermittlung auf gegenstandsspezifische Vermittlungsprobleme zurückzuführen. Diese sind dann aber von (typischen?) Vermeidungsstrategien von Lehrenden zu trennen, welche die Bildungsherausforderung umgehen, indem sie auf eine Erschließung setzen, die von der eigensinnigen, subjektiven Herangehensweise der Schülerinnen und Schüler oder von den institutionellen Rahmenbedingungen absieht.





Prospekt zur Jahrestagung 2015

Fortbildungsveranstaltungen LV Baden-Württemberg

Jugendliche und Literatur ...

Heranführen von Jugendlichen an Literatur




21.03.2015CBK Online-Redaktion
Kooperationspartner

Archive

Veranstaltungen