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Quintessentielles zur Lyrik: Zur Sageweise lyrischen Sprechens

zusammengestellt von Dr. Wolfgang Rzehak


„Spricht die Seele, so spricht, ach, schon die Seele nicht mehr.” (Friedrich Schiller)

Das Physiognomische der Sprache: Dasjenige, „was in ihr spricht, nicht das, was durch sie gesprochen wird.” (Walter Benjamin)

„Ein bequemer Dichter hat nichts zu sagen. Dichter, die niemanden erschrecken, sind zu nichts anderem zu brauchen, als dass man sich über sie unterhält.” (Günter Eich)

Die Kürze und Dichte als Formgesetz der Lyrik: „... die kürze – rein ellenmäßig – die kürze.” (Erster Merksatz aus Stefan Georges „Blätter für die Kunst”)

Poesie: „...das ewig rührende in mass und klang.” (Stefan George)

„Bis heute habe ich an keinem Dichter dasselbe ästhetische Vergnügen gehabt, das mir von Anfang eine Horazische Ode gab. In gewissen Sprachen ist das, was hier erreicht ist, nicht einmal zu wollen. Dieses Mosaik von Worten, wo jedes Wort als Klang, als Ort, als Begriff, nach rechts und links über das Ganze hinaus seine Kraft ausströmt, dieses Minimum in Umfang und Zahl der Zeichen, dies damit erreichte Maximum in der Energie der Zeichen, das alles ist römisch.” (Nietzsche über die Horazische Ode)

„Der Dichter überlässt die Initiative den Wörtern, der Interferenz ihrer aktivierten Unterschiede, die Wörter fangen Feuer durch ihre gegenseitige Spiegelung wie ein Feuerschweif über Juwelen.” (Stéphane Mallarmé)

„Let poetry do what poetry alone can do.” (T.S. Eliot)

„Wenn ich den Mund aufmache, sprechen tausend Tote aus mir.” (Hugo von Hoffmannsthal)

„Wir müssen nicht nur Spiegel sein, welche die Wahrheit außer uns reflektieren. Wenn wir den Gegenstand in uns aufgenommen haben, muss etwas von uns dazukommen, bevor es wieder aus uns herausgeht, nämlich Kritik, gute und schlechte, welche den Gegenstand vom Standpunkt der Gesellschaft aus erfahren muss.” (Bertolt Brecht: Über Lyrik)

„Den Satz, nach Auschwitz noch Lyrik zu schreiben, sei barbarisch, möchte ich nicht mildern.” (Theodor W. Adorno: Engagement)

„... das Gedicht an niemanden gerichtet, das Gedicht aus Worten ...” (Gottfried Benn: Probleme der Lyrik, 1951)

„Das Gedicht will zu einem Anderen, es braucht diesen Anderen, es braucht ein Gegenüber. Es sucht es auf, es spricht sich ihm zu.” (Paul Celan: Der Meridian, 1961)

„Wirklichkeit ist nicht, Wirklichkeit will gesucht und gefunden werden.” (Paul Celan: Der Meridian, 1961)

„Die Prosa bedient sich der Wörter, die Poesie dient ihnen.” (Jean-Paul Sartre)

„The superior poem communicates before it is understood.” (T.S. Eliot)

„Organisation is as well necessary as inspiration.” (T.S. Eliot)

Die Physis der Sprache: das unerhörte Potential ihrer Andersheit, ihrer Verwandlung „in etwas, das mehr ist als bloßes Sprechen.” (Heißenbüttel)

„Denn nur als ästhetisches Phänomen ist das Dasein und die Welt ewig gerechtfertigt.” (Friedrich Nietzsche: Die Geburt der Tragödie)

„Der lyrische Text ist ein Protokoll der inneren Blicke.” (Durs Grünbein: Mein babylonisches Hirn)

 

Zur Liebeslyrik

„Deine Liebe ist in meinem Herzen wie ein Schilfrohr in den Armen des Windes ...” (Papyrus-Fragment, Ägypten ca. 1500 v. Chr.)

„Es ist Unsinn / sagt die Vernunft / Es ist was es ist / sagt die Liebe” (Erich Fried)

„Du schlank und rein wie eine flamme / Du wie der morgen zart und licht / Du blühend reis vom edlen stamme / Du wie ein quell geheim und schlicht” (Stefan George: Du wie der Morgen)

„Ich fragte mich in meinen stillen Stunden, / Was war das Leben, Liebster, eh du kamst / Und mir den Schatten von der Seele nahmst. / Was suchte ich, bevor ich dich gefunden?” (Mascha Kaléko: Sonett in Dur)

„Du und ich! / Wunschlose Seligkeit / strömt deine Nähe über mich.” (Max Dauthendey: Du und ich)

„Dass du mich liebst, das wusst’ ich / ich hatt’ es längst entdeckt; / doch als du mirs gestanden, / hat es mich tief erschreckt.” (Heinrich Heine: Dass du mich liebst, das wusst’ ich)

 








12.06.2013CBK Online-Redaktion
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