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Tagungsbericht "Spracherwerb – Sprachwandel – Sprachverfall?"

Die Fortbildungsveranstaltung des Landesverbands Hessen befasste sich am 27. Februar 2020 in Frankfurt am Main mit der "Deutschen Sprache in Schule und Gesellschaft heute"

Fortbildungsveranstaltung 2020 LV Hessen "Spracherwerb – Sprachwandel – Sprachverfall?"

 

Seit ihren Anfängen als theodisca lingua ist die deutsche Sprache im Fluss: Von Generation zu Generation weitergegeben, dabei stets von Zuwanderern erlernt und bereichert, wird das Deutsche als „Sprache des Volkes“ seit jeher von einem steten Wandel geprägt – wie jede lebendige Sprache. Es handelte sich also um ein gleichsam ewig-aktuelles Thema, das auf der diesjährigen DGV-Fortbildung des Landesverbands Hessen im Fachverband Deutsch am 27. Februar 2020 auf dem Frankfurter Campus Westend angeschlagen und verhandelt wurde.


Den Auftakt gab Christopher Textor, Referatsleiter im Hessischen Kultusministerium, der den rund 100 Teilnehmern und Teilnehmerinnen die Bedeutung der Bildungssprache Deutsch in Fragen von Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und Schulerfolg nahebrachte. Ausgehend von der Schwerpunktsetzung der hessischen Präsidentschaft in der zurückliegenden Kultusministerkonferenz 2019, nämlich Deutsch als Bildungssprache intensiv zu fördern, machte Textor deutlich, dass das Bundesland Hessen, von Zuwanderung und Mehrsprachigkeit in der Schule stark geprägt, seit einigen Jahren große bildungspolitische Erfolge verzeichnen könne. Demnach seien Schulabbrüche in den letzten 20 Jahren deutlich verringert worden, während die Zahlen der Schulabschlüsse – auch und gerade unter Migrantenkindern und zugewanderten Seiteneinsteigern – deutlich hätten gesteigert werden können. Dieser Erfolg, so Textor, sei auf das präventiv wirksame Sprachförderkonzept „Bildungssprache Deutsch“ zurückzuführen.

Deutsch zu lernen, das ist demzufolge die Querschnittaufgabe aller Fächer in allen Schulen. Textor betonte, dass sprachliche Bildung Teil der Persönlichkeitsentwicklung jedes Schülers sei; also müsste Deutsch grundsätzlich von allen Schülerinnen und Schülern in allen Schulformen auf bildungssprachlichem Niveau beherrscht werden. „Jede Stunde ist eine Deutschstunde!“, mit diesem Grundsatz machte der Referatsleiter außerdem deutlich, dass sprachsensibler Fachunterricht ebenso wie Deutsch als Zweitsprache in ihrer konsequenten Umsetzung dazu führen, die bildungssprachlichen Kompetenzen aller Schüler nachhaltig zu stärken. Erst die konsequente Anwendung des bildungssprachlichen Konzepts begünstige die gesellschaftliche Integration mehrsprachiger Schüler und Schülerinnen nachhaltig. Dass dem Fach Deutsch deshalb eine federführende Funktion zukomme, unterstrich Christopher Textor auf Nachfrage der Zuhörer und Zuhörerinnen: Deutsch sei das „Leitfach“ aller anderen Fächer in Fragen der Unterrichtsprache und des Erwerbs der Bildungssprache Deutsch. Die Bedeutung von Deutsch als „Leitfach“ wurde zudem von Ergebnissen der jüngsten Sprachforschung unterstrichen, wobei klar wurde, dass die pädagogische Fehlerkorrektur ebenso zum Repertoire eines jeden (Deutsch-)Lehrers gehören müsse wie die Durchführung umfänglicher Buch-Lektüren und das beständige Üben der Handschrift. Am Schluss geriet die Digitalisierung in den Blick, die nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance zu begreifen sei, erlebe doch die Handschrift dank der jüngsten technologischen Entwicklung der Tablets eine überraschende, digitale Renaissance.

Im zweiten Vortrag der Fortbildung sprach Prof. Dr. Elvira Topalovíc (Universität Paderborn) über „Sprachliche Bildung – schulische, deutschdidaktische und bildungspolitische Perspektiven“. Nach einer Definition der Bildungssprache Deutsch als Oberbegriff für digitale/mediale Bildung, literarische Bildung und Sprachbildung, dem entsprechend Sprachdidaktik, Literaturdidaktik, Mediendidaktik zugeordnet werden müssten, betonte die Sprachwissenschaftlerin die zunehmende sprachliche Heterogenität hessischer Schulklassen, um anschließend für einen integrativen wie inklusiven Deutschunterricht zu plädieren, der aus einer Perspektive des Könnens erteilt werden müsse.

Prof. Topalovíc versteht Deutsch als Kernfach, dessen Schwerpunkt auf Kommunikation und Kooperation liege. Deutsch müsse nach dem Prinzip konzeptioneller Schriftlichkeit unterrichtet werden. Hierbei böten alltägliche Situationen sprachlichen Handelns bereits in der Grundschule mannigfache Möglichkeiten, Bildungssprachlichkeit zu fördern. Dabei unterschied Topalovíc innere und äußere Mehrsprachigkeit, was verdeutlichte, dass in jedem Klassenzimmer eine große Diversität an dynamischen, fluiden Sprach(en)repertoires unter den Schülern und Schülerinnen besteht. Um die Schüler in die Lage zu versetzen, sich im Laufe der Schulzeit die Standard-, Unterrichts- und Bildungssprache Deutsch anzueignen, benötige es weniger Tests, sondern vielmehr eine adaptive Unterrichtskultur, in der die Fähigkeit erlernt werde, sich angemessen in Alltagssituationen auszudrücken. Prof. Topalovíc hob am Ende Ihrer Ausführungen hervor, dass der nicht-diskriminierende Umgang mit Sprachrepertoires für einen erfolgreichen Deutschunterricht besonders wichtig sei.

Nach der Mittagspause stellten Ursula Jäcker und Christina Schmitz (Staatsbibliothek Berlin) das Online-Portal „E.T.A. Hoffmann Der Sandmann – Die (virtuelle) Bibliothek als erweitertes Klassenzimmer“ vor. Sie konnten viele verschiedene innovative Wege digitalen Lernens aufzeigen, womit den anwesenden Deutschlehrern und Deutschlehrerinnen eine Menge praktikables Material sowie eine Reihe nützlicher Unterrichtsideen vermittelt werden konnte.

Es bleibt zu resümieren, dass die Fortbildung zur deutschen Sprache in Schule und Gesellschaft vor allem den Spracherwerb in den Fokus nahm, um den Sprachwandel begleitend zu gestalten (und so einem „Sprachverfall“ vorzubeugen), was auch die jeweiligen Diskussionen und Aussprachen im Anschluss an die Vorträge verdeutlichten: Neben den schulpraktischen Instruktionen, der schulamtlichen Aufklärung zum Erwerb des Deutschen als Bildungssprache wurden vor allem die neuen sprachwissenschaftlichen Ansätze im Plenum diskutiert, Deutsch fach- und schuladäquat als Bildungssprache zu vermitteln. Das Thema eines möglichen Sprachverfalls wagte allerdings nur der scheidende Vorsitzende des hessischen Landesverbands, Heinrich Opper, anzureißen, als er in seiner ebenso kurzen wie herzlichen Abschiedsansprache die Teilnehmer und Teilnehmerinnen daran erinnerte, dass in den 1950er Jahren noch mit jedem Hauptschüler ein Gespräch über Goethes „Faust“ möglich war …

Dr. Jan Robert Weber (Erster Vorsitzender des Landesverbands Hessen)




Fortbildungsveranstaltungen LV Hessen (ACHTUNG: nach Einpflegedaten geordnet)

Spracherwerb – Sprachwandel – Sprachverfall?




12.03.2020CBK Online-Redaktion

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