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Gegenwartsliteratur und Erzähltheorien - Ein Tagungsrückblick

Sankelmark-Tagung 2010

12.-13.11.2010 in der Akademie Sankelmark

Als überaus gelungen und wegweisend für weitere Tagungen in Sankelmark bewerteten Organisatoren wie Teilnehmer die Jahrestagung 2010. Gleich in dreierlei Hinsicht war Neues gewagt worden. Anstelle eines einzigen Impulsreferates gab es zwei, um den beiden im Titel genannten Schwerpunkten gerecht zu werden.



Mit einem Überblicksreferat über Tendenzen der Gegenwartsliteratur eröffnete der Kieler Philologe Professor Dr. Christoph Deupmann. Es folgte ein Vortrag von Professor Dr. Jan Christoph Meister, Universität Hamburg, der die Parameter des Erzählers und seines Diskurses genauer unter die Lupe nahm und damit einen Einblick in Terminologie und Anwendung der Erzähltheorie gab.

Beide Stränge – Gegenwartsliteratur und Erzähltheorien – wurden in den anschließenden Workshops mit unterschiedlichen Akzenten verfolgt. Sabine Bethke-Bunte leitete eine AG zu Peter Stamms Roman Agnes, Dr. Julia Bobsin und Dr. Caren Kollek führten in Karen Duves Texte Regenroman und Taxi ein; Uwe Querengässer und Dr. Eckhard Formella bearbeiteten Botho Strauß’ Mikado; Arne Schumacher und Thomas Hellmuth stellten Daniel Kehlmanns Ruhm – ein Roman in neun Geschichten vor und Beate Kennedy betrachtete mit den Teilnehmerinnen ihres Workshops das preisgekrönte Werk Atemschaukel von Herta Müller.

In allen fünf Workshops ging es den Texten an den Leib; Informationen zum Autor oder zur Autorin, zur Zeitgeschichte sowie andere textexterne Aspekte bildeten lediglich den Rahmen der intensiven Analyse. Die mikroskopische Textarbeit zeitigte ganz neue Lektüreerfahrungen, schloss hie und da chiffrierte Texte erst richtig auf – und brachte den Lehrerinnen und Lehrern, die endlich einmal wieder selbst am Text arbeiten durften, viel Spaß.

Die zweite Neuheit, die dem Programm eine Wirkung über den Tag hinaus zu geben versprach, war die Verbindung von Autoren-Lesung (am Freitagabend) mit einem Autoren-Interview (am Samstagmorgen). In einer Fishbowl  stellte Almut Hoppe all die Fragen an den Schriftsteller Peter Stamm (und an das diskussionsfreudige Publikum), die seine Lesung aus Agnes aufgeworfen hatten – und darüber hinaus noch einen ganzen Fragenkatalog, der das Spektrum dessen, was für Unterrichtende aufschlussreich ist, abgedeckt haben dürfte. Bereitwillig und überraschend offen legte Peter Stamm seine Vita, seine Ideen, Arbeitsweisen und Vorlieben dar. Die Aufzeichnung, die von dieser Runde existiert, dürfte eine Fundgrube für alle am Werk dieses Autors Interessierten sein.

Das letzte und begeistert goutierte Novum des Wochenendes waren die „Impulskonzentrat” genannten Kurzreferate zu aktuellen Texten ausgewählter Autorinnen und Autoren. So zeigte Almut Hoppe anhand einer Kurzgeschichte, wie spannend die sparsame Prosa einer Julia Franck sein kann, audiovisuell unterstützt durch einen kurzen Lesungsmitschnitt dieses Textes durch die Autorin selbst. Hanjo Iwanowitsch präsentierte die diskursiven, oftmals philosophisch argumentierenden Romane Juli Zehs. Gerhard Kahlert erläuterte den Roman Die Erfindung des Lebens von Hanns-Josef Ortheil und Beate Kennedy widmete sich den Paradoxien in Georg Kleins mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichneten Roman unserer Kindheit.

Kurzreferate als unterhaltsame Möglichkeit, schnell und konzentriert zu informieren und informiert zu werden, sind als festes Format auch für das kommende Tagungsprogramm in der Akademie Sankelmark vom 4.–5. November 2011 vorgesehen.

Beate Kennedy





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Gegenwartsliteratur und Erzähltheorien




18.09.2011CBK Online-Redaktion

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