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Germanistentag 2013 Sektion 4: Literarizität in Theoriebildung, interpretatorischer Praxis und Vermittlung

Leitung: Jörn Brüggemann (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Elmshorn), Mark-Georg Dehrmann (Leibniz-Universität Hannover), Jan Standke (Universität Osnabrück)

Der Begriff der ‚Literarizität‘ insistiert darauf, dass Literatur sich durch besondere Qualitäten und Er­kenntnismöglichkeiten auszeichne. Diese unterschieden sie von anderen Kunstformen, Texten oder Sprechhandlungen und forderten deshalb spezifische Praktiken des Verstehens ein. Ohne die An­nahme einer solchen Besonderheit ließen sich weder die öffentliche Wertschätzung der Literatur er­klären noch die disziplinäre Existenzberechtigung von Literaturwissenschaft und Literaturunterricht begründen.


Aus bildungs- und wissenschaftshistorischer Perspektive zeigt sich allerdings, wie wenig selbstver­ständlich die Annahme einer besonderen Qualität literarischer Texte und Leseweisen ist. In den litera­turtheoretischen Debatten der letzten Jahrzehnte bleibt umstritten, ob Literatur tatsächlich – etwa über poetische, ästhetische, reflexive, kognitive oder emotive Leistungen – gegenüber anderen Texten abgegrenzt werden kann. Die Geschichte des Deutschunterrichts zeigt, dass Literatur (misslicher­weise) oft gerade nicht im Hinblick auf ‚literarische‘ Werte gelesen wird. Auch die aktuelle, politisch vorangetriebene Standardisierung schulischer Bildung wirft die Frage auf, ob Leseprozesse im Litera­turunterricht künftig noch an Literarizitätsvorstellungen zu orientieren sind.

Ziel der Sektion ist es, über die Frage der Literarizität der Literatur wissenschaftliche, didaktische und schulische Perspektiven miteinander zu konfrontieren und aufeinander zu beziehen; sie soll zur Über­brückung einer unproduktiven Kluft zwischen den Institutionen beitragen und die Debatte vertiefen.

Thematische Leitbegriffe: Literarizität; Poetizität; Literatur und andere Textsorten; Literatur und andere Künste; Verstehensanforderungen von Literatur; theoretische Modelle und empirische Test­verfahren: deren Geschichte und aktuelle bildungspolitische Funktionen; Literarizität in Bildungspro­zessen; OECD-Studien; Verhältnis von allgemeiner Lesekompetenz und literarischer Verstehenskom­petenz.

Willkommen sind auch wissenschafts- und bildungshistorische Beiträge: Wie und wozu wurde in der Vergangenheit versucht, spezifische Qualitäten von Literatur in Poetiken und theoretischen Konzepten (Literatur-, Kultur-, Kunsttheorie, Philologie, Pädagogik, Didaktik) auszuzeichnen und ihnen mit be­stimmten Praktiken (Interpretieren, Lehren, Lernen) Rechnung zu tragen?

Exposés bis spätestens 30.04.2012 bitte an die folgende Adresse:

Dr. Mark-Georg Dehrmann  mark.dehrmann@germanistik.uni-hannover.de 





Call for Papers: Germanistentag 2013: "Germanistik für das 21. Jahrhundert"




04.03.2012CBK Online-Redaktion

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