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Call for Papers 31.12.2019: Das Exil als geistige Lebensform: Thomas Mann 1933-1955

Herbsttagung 2020 der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft in Frankfurt am Main, 25.- 27. September 2020

Mit dem Schock der unfreiwilligen Exilierung im Frühjahr 1933 beginnt für Thomas Mann eine Lebens- und Schaffensphase voller Ungewissheiten: Durch die Entscheidung „draußen zu bleiben“ scheinen die bürgerliche Existenz, die Verlässlichkeit vieler Freundschaften, die Reputation als Schriftsteller, nicht zuletzt die gewohnten Publikationsoptionen auf dem Spiel zu stehen.


Die Herbsttagung 2020 der Deutschen Thomas Mann Gesellschaft geht der Frage nach, wie sich dieser radikale Wechsel der Lebensform im literarischen und essayistischen Werk Thomas Manns niederschlägt.

Dabei lassen sich drei Phasen unterscheiden:

Die Vorkriegsjahre 1933-1939 verbringt Thomas Mann größtenteils im europäischen Exil mit den Stationen Sanary und Küsnacht, ab 1936 greift er das nationalsozialistische Regime publizistisch in aller Schärfe an. Trotz des Schocks der Exilierung setzt er das Projekt der Joseph-Tetralogie fort, unterbrochen nur durch den Goethe-Roman Lotte in Weimar (1936-1939).

Zu Beginn des 2. Weltkriegs lebt Thomas Mann bereits in den USA. Hier schließt er 1943 die Joseph-Tetralogie ab, in der Josephs Erfahrungen mit Exil und politischer Führerschaft längst eine tagesaktuelle Färbung angenommen haben. Und mit dem Deutschlandroman Doktor Faustus (1943-1947) folgt eine radikale literarische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seiner Vorgeschichte, flankiert von anti-faschistischen Radiosendungen, Reden und Lecture Tours.

Nach dem Kriegsende tun sich neue Fronten auf, die ein schlichtes Ende des Exils unmöglich machen: Auf der einen Seite eine polemische Debatte mit Vertretern der „Inneren Emigration“, wenig später verstörende Reaktionen auf den Besuch des geteilten Deutschland im Jahr 1949, auf der anderen Seite Verdächtigungen des amerikanischen Geheimdienstes wegen kommunistischer Sympathien. 1952 kehrt Thomas Mann mit seiner Familie in die Schweiz zurück.

Vor diesem Hintergrund soll es bei der Tagung unter anderem um folgende Fragenkomplexe gehen:

  • Welche Spuren des Exils finden sich in den literarischen Werken Thomas Manns von 1933 bis 1955? Führte die langjährige Erfahrung des Exils zu einer Revision seiner literarischen Ausdrucksformen?
  • Wie veränderte sich die Wahrnehmung der eigenen kulturellen Tradition, wie verändert sich die Selbstdeutung als Repräsentant deutscher Kultur durch die politische Entwicklung Deutschlands?
  • Welche Entwicklungen im politischen Denken Thomas Manns zeichnen sich zwischen 1933 und 1955 in der Einschätzung des Nationalismus, des Stalinismus, des Kommunismus, der neuen Fronten im Kalten Krieg ab?
  • Wie verändern sich die literarischen Orientierungsgrößen Thomas Manns durch die Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Exil-Literatur einerseits, mit der europäischen und amerikanischen Literatur andererseits?
  • An welchen Debatten und Auseinandersetzungen im europäischen und amerikanischen Exil war Thomas Mann beteiligt, welchen entzog er sich? Wie wurde er innerhalb und außerhalb Deutschlands als Exilant wahrgenommen?

Die Tagung der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft findet vom 25. bis zum 27. September 2020 in Frankfurt am Main statt. Fahrt- und Übernachtungskosten der Beiträgerinnen und Beiträger können übernommen werden. Die Veröffentlichung der Tagungsvorträge im Thomas-Mann-Jahrbuch ist geplant.

Bitte senden Sie bis zum 31. Dezember 2019 ein Abstract (ca. 300 Wörter) für einen 30-minütigen Vortrag und knappe bio-bibliographische Angaben per E-Mail an die Geschäftsführerin der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft, Daniela Martin:

daniela.martin@thomas-mann-gesellschaft.de


Es freuen sich auf Ihre Vortragsbewerbungen:

Prof. Dr. Hans Wißkirchen und Prof. Dr. Friedhelm Marx (Organisation)

hans.wisskirchen@luebeck.de

friedhelm.marx@uni-bamberg.de








11.11.2019CBK Online-Redaktion

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