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Am 20. März 2020 jährt sich zum 250. Mal der Todestag Friedrich Hölderlins

Aus gegebenem Anlass Auszüge aus Hölderlins "Patmos" [Ansätze zur letzten Fassung]

Patmos.
Dem Landgrafen von Homburg.
[(Vierte Fassung)]

Voll Güt ist; keiner aber fasset

Allein Gott.

Wo aber Gefahr ist, wächst

Das Rettende auch.

Im Finstern wohnen

Die Adler, und furchtlos gehen

Im Tagewerk die Söhne der Alpen über den Abgrund weg

Auf leichtgebaueten Brücken.

Drum, da gehäuft sind rings, um Klarheit,

Die Gipfel der Zeit,

Und die Liebsten nahe wohnen, sehnsuchtsvoll, ermattet, auf

Getrenntesten Bergen,

So gib unschuldig Wasser,

O Fittige gib uns, treuesten Sinns

Hinüberzugehn und wiederzukehren.


[...]

Doch aber mußten sie trauern, nun, da

Es Abend worden. Nämlich meistens ist rein

Zu sein ein Geschick, ein Leben, das ein Herz hat,

Vor solchem Angesicht, und dauert über die Hälfte.

Zu meiden aber ist viel. Zu viel aber

Der Liebe, wo Anbetung ist,

Ist gefahrreich, triffet am meisten. Aber jene nicht

Von Tränen und Schläfen des Herrn wollten

Lassen und der Heimat. Eingeboren, glühend

Wie Feuer rot war im Eisen das. Und schadend das Angesicht des Gottes wirklich

Wie eine Seuche ging zur Seite, der Schatte des Lieben.

Drum sandt er ihnen

Den Geist, und freilich bebte

Das Haus und die Wetter Gottes rollten

Ferndonnernd, Männer schaffend, zornige, wie wenn Drachenzähne, prächtigen Schicksals,

 

Quelle: Friedrich Hölderlin: Sämtliche Werke. 6 Bände. Stuttgart 1953, Bd. 2, S. 191-195.

Den vollständigen Text sowie die Vorstufe und Bruchstücke einer späteren Fassung finden Sie auf

zeno.org

In der Ausgabe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft: Friedrich Hölderin, Sämtliche Werke und Briefe, Bd. I, Darmstadt 1998, S. 447 ff. finden Sie die erste, zweite, dritte und vierte Fassung (Gedichte [1803-1806]).





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19.03.2020CBK Online-Redaktion

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